Übersicht: Das sind die Weihnachtsbuden in Göttingen

Tausende Lichter erstrahlen in Göttingens Innenstadtstraßen und laden zum vorweihnachtlichen Bummel mit ausreichend Abstand ein. Der mit 24 Lichterketten geschmückte Weihnachtsbaum verzaubert die City-Besucher*innen von der Empore des Alten Rathauses auf dem Marktplatz und strahlt am Abend mit dem Gänseliesel um die Wette. 12 weihnachtlich geschmückte Buden bieten den Besucherinnen und Besuchern ihre Waren feil. Von Fellen und Lederwaren über traditionellen Schmuck bis hin zu Wollbekleidung und Weihnachtssternen reicht das vielfältige Angebot. Natürlich kommen auch Leckermäuler auf ihre Kosten. Waffeln, gebrannte Mandeln, Früchtespieße, Kräuterbonbons und vieles mehr helfen, die etwas andere Adventszeit zu versüßen. Ich habe mich an den Holzhäuschen einmal für euch umgesehen.

Übersicht aller Buden

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Buchbinder-Bude auf dem Johanniskirchhof

Auf dem südlichen Johanniskirchhof hat Wolfram Sulek seinen Stand aufgebaut. Fast verschwindet er hinter seinem umfangreichen Angebot an handgefertigten Buchbinder-Artikeln. „Es sind weniger Menschen in der Stadt“, sagt er mir, „aber sie sind, genau wie ich selbst, sehr dankbar, dass hier überhaupt Buden stehen dürfen.“ In seiner Auslage liegen hübsche Adress-, Notiz-, und Skizzenbücher, Fotoalben, Mappen, Hefte, Kalender und vieles mehr. „Alles handgebunden“, betont der Standinhaber.

Handgefertigt: Buchbinder-Artikel am Stand von Wolfram Sulek. Foto: Christoph Mischke

Falls ihr noch, so ganz analog, Briefpapier benötigt, werdet ihr hier sicher fündig. Auch das handgeschöpfte Geschenkpapier und die Weihnachtskarten des Göttinger Künstlers Ulrich Heneka, die es exklusiv nur hier gibt, solltet ihr euch anschauen. „Auf diese Karten warte ich ein ganzes Jahr“, sagt eine Kundin erfreut, kauft einen ganzen Stapel und lässt Wolfram Sulek sogar noch ein Trinkgeld da. „Schön, dass sie da sind“, ruft sie im Gehen.

Faltbare Weihnachtssterne

Auf dem Johanniskirchhof verkaufen Angelina und ihre Kollegen bei „Just Stars“ faltbare Weihnachtssterne. Über 20 Sterne in zahlreichen Farben und Mustern hängen in der kleinen Holzhütte. Hunderte liegen zusammengelegt darunter. Für das Pärchen, das sich nicht entschließen kann, faltet Angelina geduldig einen nach dem anderen auseinander und hält die Sterne über eine nackte Glühbirne. „Jetzt könnt ihr besser sehen, wie sie beleuchtet wirken.“

Just Stars: farbenfrohe Weihnachtssterne in großer Auswahl. Foto: Christoph Mischke

Auch Angelina bewertet die Resonanz der Besucher*innen auf die Stände als ausschließlich positiv. „Kein Wunder“, sagt sie lachend, „wir haben ja auch die schönsten Weihnachtssterne, die es gibt.“ Möglicherweise findet das auch der Göttinger Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher W.P. Fahrenberg. Er fotografiert einige Sterne mit seinem Handy. Ich frage ihn, warum er das tut. „Ich zeige die Fotos zuhause meiner Frau“, meint er verschmitzt, „und sie entscheidet dann, welchen sie haben möchte.“

Wollmützen und Schals

Am Stand „Crystal Bay“ auf dem Johanniskirchhof steht ein gut gelaunter Herbert Müller. „Meine Stimmung und die der Kunden ist gut“, antwortet er auf meine Frage. „Es ist eine gute Entscheidung der Stadt, hier Stände zuzulassen, denn mir hätte sonst wirklich etwas gefehlt.“ Er kann sich über mangelnde Nachfrage nach seinen Wollmützen, -schals und -handschuhen, die er in vielen Farb- und Designvarianten anbietet, nicht beklagen.

Aus Indien und Nepal: Mützen, Schals und Handschuhe. Foto: Christoph Mischke

„Die Kauffreude bei den Menschen ist da“, stellt er fest. Er legt Wert darauf, dass er Fair-Trade-Produkte an den Mann und die Frau bringt. „Von Menschen in Indien und Nepal gemacht“, verspricht er, „die dafür auch anständig bezahlt werden.“

Gebrannte Mandeln seit 70 Jahren

„Der Duft hat mich hergelockt.“ Diesen Satz hört Ricarda Neubauer in den vergangenen Tagen häufiger. Ihr Stand steht an der Südseite des Alten Rathauses und es stimmt, der leckere Geruch ihrer gebrannten Mandel-Spezialitäten ist auch auf dem Marktplatz deutlich zu wahrzunehmen. Zwölf verschiedene Sorten bietet sie neben Lebkuchenherzen, Zuckerwatte und vielerlei anderen Süßigkeiten derzeit an. Darunter „Orange-Ingwer“, „Nutella“ oder „Baileys“. „Unsere Mandeln sind halt der Klassiker“, sagt die Chefin, „und das schon seit 70 Jahren in Göttingen.“

Mandeln sind der Klassiker: die “Süße Ecke” von Familie Neubauer. Foto: Christoph Mischke

1950 hat ihre Mutter begonnen auf dem Göttinger Wochenmarkt Mandeln zu verkaufen. „An einem kleinen Stand unter einem Schirm hat sie die Kerne über dem offenen Feuer noch mit der Hand gerührt“, berichtet Ricarda Neubauer, „das war eine echt schwere Arbeit.“ Sie freut sich, dass sie ihre Stammkund*innen in diesem verrückten Jahr wiedersehen kann. „Wir machen das Beste draus“, sagt sie lächelnd.

Wollmützen aus Kashmir

Direkt an der Ecke Markt/Kornmarkt hat Natascha Serke ihren Stand aufgebaut. Die farbenfrohen Wollmützen und -decken, die auf Ständern davor stehen, fallen schon von weitem ins Auge. „Mein Schwerpunkt sind vor allem Einzelstücke“, berichtet die Betreiberin. Beliebt sind die großen Schals und Plaids, die sie teils selbst entworfen hat. „Viele dieser Dinge, auch die Stulpen und Kindermützen, werden von Familien in Kashmir gemacht, die ich teils persönlich kenne, denn ich habe 20 Jahre in Indien gelebt.“ Gerade hat sie Socken und Strickjacken aus Alpaka-Wolle bekommen.

Schwerpunkt sind Einzelstücke: Warme Bekleidung aus Kashmir. Foto: Christoph Mischke

„Die haben sich ein bisschen verspätet“, sagt sie. Die hübschen Röcke, die an der Rückwand hängen, fallen selbst mir auf. „Die verkaufe ich für eine Stuttgarter Designerin, mit der ich befreundet bin“, sagt Natascha Serke. „Wer sich dafür interessiert, kann meinen Stand gerne als Umkleide benutzen.“ Dafür hat sie extra einen Gas-Heizstrahler installiert. Das nenne ich mal Luxus für einen Marktstand. „Die Menschen lieben Kunsthandwerk“, freut sie sich über das positive Feedback, „aber viele würden halt auch gerne eine Bratwurst auf dem Marktplatz essen.“

Körnerkissen: Wärme für Nacken und Wirbelsäule

Fast unentwegt surrt nebenan eine Pfaff-Nähmaschine. Schneidermeister Denis Dah näht seine Körnerkissen in vielen Größen und Formen nämlich selbst – live und vor Publikum. Gebürtig aus Benin, bezieht er die farbenfrohen Stoffe nicht nur aus seinem Heimatland, sondern auch aus Togo, Ghana oder Elfenbeinküste.

Näht live: Denis Dah produziert seine Körnerkissen direkt am Stand. Foto: Christoph Mischke

Kissen ist dabei vielleicht etwas missverständlich, denn der gut gelaunte Schneidermeister näht spezielle Formen auch für die Füße, sowie eine Art Umhang für den Nacken und die Wirbelsäule. Was in den großen, hellbraunen Säcken, die hinter ihm stehen, ist, möchte ich wissen. „Das ist Weizen, für die Füllung“, erklärt mir der Experte, „Weizen speichert die Wärme viel länger als beispielsweise Kirschkerne.“ Man lernt nie aus, denke ich.

Früchte in belgischer Schokolade

„Endlich wieder Kundenkontakt“, sagt Sonja Geibel erleichtert. „Wir sind so froh, dass wir hier sein dürfen und die Menschen nehmen uns so prima an. Sie sind voller Vorfreude und froh, dass sie ihren Alltagsstress ein wenig vergessen können.“ An Peter Geibels Süßwarenstand am Kornmarkt bieten sie und ihre Kolleginnen süßes Popcorn und ihre beliebten Fruchtspieße an, umhüllt mit belgischer Schokolade.

Geibel am Kornmarkt: Mandeln, Fruchtspieße und Lebkuchenherzen. Foto: Christoph Mischke

Auch die gebrannten Mandeln stehen bei den Besucher*innen hoch im Kurs. Ich bin ja nicht so ein Süß-Freund, aber die Raffaello-Mandeln werde ich mir demnächst einmal gönnen, da bin ich neugierig. „Wir werden in den kommenden Tagen unser Mandel-Angebot noch ein wenig erweitern“, berichtet Sonja, „mit Chili-Mandeln und vielleicht auch mit Amaretto.“ Na, dann lohnt es ja, häufiger einmal vorbeizuschauen, denke ich.

Naturgegerbte Felle und Lederartikel

Angela Otto steht mit ihren Fellen und Leder-Artikeln auf der Nordseite des Alten Rathauses. „Ich bin schon seit vielen Jahren auf dem Göttinger Weihnachtsmarkt und dieses Mal ist es halt etwas anders“, berichtet sie, „aber die Leute sind glücklich. Einige Menschen freuen sich sogar, dass in diesem Jahr nicht so viel Gedränge in der City herrscht.“ In ihrem Holzhäuschen bietet Angela vor allem naturgegerbte Felle von Schaf oder Rentier an. „Für den Sessel, das Sofa oder das Bett“, sagt sie, „denn manche schlafen ausschließlich darauf.“

Von Schaf und Rentier: Angela Otto bietet naturgegerbte Felle an. Foto: Christoph Mischke

Sie hat sogar eine echte Rarität, wie sie sagt, für Kenner*innen im Angebot: Felle vom Gotlandschaf. Klein gelockt in grau-blauer Färbung unterscheiden sie sich deutlich von herkömmlichen Schaffellen. Nach Angelas Worten sind die Felle durchaus gesundheitsfördernd, beispielsweise bei Rheuma, Durchblutungsstörungen oder Gelenkproblemen. „Bei der kalten Witterung sind auch unsere Woll- und Schaffell-Schuhe, Kuscheltiere und Babyfelle besonders beliebt“, berichtet sie. Wer häufig kalte Füße hat, kann sich ja einmal bei den Socken aus Lama-, Alpaka- oder Angorawolle umsehen.

Handschuhe, Schals und Mützen aus Wolle

Fast genau vor der Lichtenberg-Statue, auf der Nordseite des Alten Rathauses, hat Gitta ihren Stand. Bei ihr gibt es Bekleidung, die vor Kälte in den Wintermonaten schützt. „80 Prozent meiner Ware ist aus Wolle“, schätzt sie und ich staune über die Vielfalt, die sie in ihrer kleinen Bude anbietet. Handschuhe, Schals und Mützen aller Art: mit und ohne Schirm, mit und ohne Ohrenklappen, mit Puscheln, wie die gute alte Pudelmütze, oder auch die beliebten bommellosen Beanies.

Winterliches Sortiment: Bekleidung für Männer, Frauen und Kinder. Foto: Christoph Mischke

„Wir haben unser winterliches Sortiment für Frauen, Männer und Kinder zusammengestellt“, verspricht sie mit einem Lächeln. An der Rückwand hängen auch einige Westen, die verdammt flauschig aussehen und hübsch designte Taschen. „Die sind allerdings nicht aus Wolle gestrickt, sondern gefilzt.“ Auch Gitta ist froh, dass sie hier bei uns in Göttingen sein darf und fasst die Laune ihrer Kundinnen und Kunden in einem kurzen Satz zusammen: „Die Stimmung ist gut.“

Bonbon-Händler auf der Weender Straße

Das „Göttinger Naschwerk“ duftet mir schon auf dem Marktplatz entgegen, obwohl der Stand vor der Sparkasse in der Weender Straße steht. Stefan Münch ist gerade dabei, seine wohlriechenden Kräuterbonbons in schmale, spitze Cellophantüten zu verpacken. „Es ist zwar in diesem Jahr ein komisches Gefühl, weil es nicht so voll in der Stadt ist“, sagt er, „aber da müssen wir jetzt alle durch. Unsere Kunden sind jedenfalls gut drauf.“

Naschwerk: Kräuter- und Fruchtbonbons in vielfältiger Auswahl. Foto: Christoph Mischke

Geht eigentlich auch gar nicht anders, finde ich, wenn das Angebot an den leckeren Süßigkeiten so groß ist. Fenchel-Bonbons entdecke ich in der Auslage, Eukalyptus, Sanddorn, Salbei und vieles mehr. „Die Frucht- und die Kräutermischung gibt’s auch zuckerfrei“, sagt der Bonbon-Händler. Sogar Knöterich-Pastillen hat Stefan Münch dabei. Seine Empfehlung: Brustkreuz mit Anis, Cachou mit echten Lakritzstückchen oder seine Glühwein-Drops.

Schaumwaffeln in fünfter Generation

Auf der Weender Straße steht Justin Asmuß im Stüß-Waffel-Stand. Der gehört seiner Mutter Marli. Ich stutze. „Das ist die Kurzform von Marie Luise“, klärt mich Justin auf. Seit fünf Generationen produziert der Familienbetrieb seine beliebten und handgespritzten Schaumwaffeln und Schaumküsse täglich frisch. „Was früh morgens hergestellt wird, liegt ab 11 Uhr, wenn wir öffnen, in der Auslage“, berichtet Justin. Und das ist reichlich.

Täglich frisch: Schaumwaffeln und Schaumküsse auf der Weender. Foto: Christoph Mischke

Über 30 verschiedene Geschmacksrichtungen gibt es alleine bei den Schaumküssen: „Rum-Traube“, „Eierlikör“, „Stracciatella“, „Whisky“, „Kokos“, „Champagner“ und etliche weitere Sorten. Ich habe einmal gehört, dass man nur fest genug zubeißen muss, dann werden alle Kalorien zerstört. Wenn das so ist. Ich entdecke die schaumgefüllten Muscheln und die kleinen Waffelhörnchen mit der Schokohaube und fühle mich sofort an meine Kindheit erinnert, denn die gab es damals schon. Gutes hat halt Bestand.

Schmuckstand am Marktplatz

Am zweigiebeligen Stand zum Marktplatz hin glitzert, blinkt und funkelt es. Kishori Brück betreibt ihren kleinen Schmuckstand auch schon seit vielen Jahren. Heute steht ihre Tochter Jamila hinter der Auslage und berät ihre Kundinnen und Kunden. Sophie sucht gerade einen Ring und kann sich noch nicht entscheiden, ob sie Messing oder Bronze lieber möchte. Und so probiert sie verschiedene Modelle, die Jamila ihr in der richtigen Größe heraussucht. „Es gibt nicht viele Geschäfte, die so einen Schmuck haben“, sagt sie mir, „das Design ist einzigartig.“

Es funkelt und glitzert: traditioneller Schmuck am Marktplatz. Foto: Christoph Mischke

Ich selbst trage kaum Schmuck, aber die Vielfalt ist wirklich nicht zu übersehen. Ringe, Ketten, Anhänger Ohrstecker und -hänger sind in riesiger Auswahl fein säuberlich auf große gerahmte Pinnwände gesteckt. Neben Bronze und Messing finden sich auch zahlreiche Stücke in 925er Sterlingsilber oder auch vergoldete Accessoires. „Als Schmucksteine sind bei uns Türkise, Onyx, Mondstein, Rosenquarz oder Lapis Lazuli verarbeitet“, sagt Jamila. Die traditionellen, ornamentalen Designs stammen vorwiegend aus Indien, Thailand und Indonesien. Während ich mich verabschiede, sucht Sophie immer noch ihren passenden Ring – und wird sicher noch fündig.