Cocktailbars in Göttingen

Eine Cocktailtour quer durch Göttingen: Ich habe mich auf die Suche nach ungewöhnlichen Drinks, schönen Locations und entspannter Cocktail-Abend-Atmosphäre gemacht. Das Ergebnis: Göttingen hat, was Cocktails angeht, richtig was zu bieten. Freund*innen des gepflegten Mixgetränks können sich hier von einem der besten Bartender des Landes bedienen lassen, die Geschmacksnerven auf eine Zeitreise schicken oder echtes Beach-Flair genießen. Meine Liste von fünf Locations muss auf jeden Fall noch erweitert werden! 

Das steht drin:

Wer, was, wo: Cocktails von klassisch bis zur kreativen Meisterleistung, Locations von Bar und Hinterhof bis Dachterrasse und Beach und Barkeeper*innen, die es echt draufhaben
Für alle, die schon alles kennen: Geheimtipps und das Code-Word für einen Special-Cocktail, der nicht auf der Karte steht

Die Bars:

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Herbarium Bar

Botanisch angehaucht: Die „Signature-Drinks“ in der Herbarium Bar sind mit Botanik-Wissen selbst kreiert. Foto: Leonie Lakemann

Was in der Herbarium Bar im Hotel Freigeist als erstes ins Auge fällt: Die echte Pflanzenwand hinter dem Tresen – und die ist nicht nur Deko. Wenn die Barkeeper*innen hier Cocktails mischen, ist das eine richtige Show. Der gekonnt lässige Griff zu frischer Minze, Fenchel, Basilikum und Co. rundet die geübte Choreografie perfekt ab.

Botanik-Wissen im Cocktail 

Im Herbarium gibt es eine richtige Pflanzenwand! Foto: Leonie Lakemann

Die Karte mit den “Signature Drinks” hat ein kreatives und ambitioniertes Konzept. Anhand von Geschmacksthemen wie Samen, Erde, Blüte und Frucht wird der Lebenszyklus von Pflanzen nachvollzogen. „Alle Signature Cocktails sind Eigenkreationen“, erklärt Barkeeper Maxim. Dabei greift das Bar-Team auf geballtes Fachwissen zurück: Die Cocktails entstehen in enger Zusammenarbeit mit den Expert*innen vom Botanischen Garten.

Viele Zutaten für die Herbarium-Cocktails werden in aufwendigen Prozeduren selbst gemacht. Der Charakter der Spirituose steht hier im Mittelpunkt und wird auch schon mal in eher ungewöhnliche Aromen wie Fenchelsamen, Möhre oder hausgemachte Erbsenlimonade eingebettet. Einfache Säfte kommen hier nicht in die Cocktails.

Cocktails gemixt von einem der besten Bartender des Landes

Mastermind im Kreativ-Team ist Bar Chef Yannick Bertram. Der wurde bereits als bester Bartender Niedersachsens ausgezeichnet und vom Gourmet-Magazin Fallstaff zum “Bartender des Jahres 2019” gewählt. „Lief ganz gut bisher“, kommentiert er das trocken.

Wie schmeckt’s? 

Mit dem Sweet Blush gönne ich mir erstmal einen Einsteigercocktail aus der Kategorie Blatt. Der schmeckt super frisch und stellt die perfekte Balance zwischen den Aromen von Gin, Rosé Port, Minze, Rhabarber, Campari und Zitrone her. Meine Empfehlung: Den Cocktail schnappen und ab auf die Dachterrasse!

Der ultimative Geheimtipp … 

… für die, die denken sie hätten schon alles probiert. Der Insider-Cocktail steht nicht auf der Karte – klar, dass ich den direkt probieren muss! Die Zutaten will Maxim mir erst nicht verraten. Ich schmecke milde Kräuter kombiniert mit einer ausgewogenen, sehr frischen und angenehm intensiven Säure. Ich bin begeistert! Maxim klärt mich auf: Ein gelber Chartreuse ist die Basis, ein Kräuterlikör, den eigentlich nur Bartender kennen – und unter anderem ist auch Löwenzahn dabei.

Wer jetzt neugierig ist, kann es an der Herbarium Bar mal mit dem Stichwort „Luther“ versuchen. Hinter dem Namen steckt noch eine gute Erklärung, versprochen!

Die Herbarium Bar ist deine Cocktail-Location, wenn … 

… du das Besondere willst und kreative Cocktail-Kunst in Perfektion zu schätzen weißt.

Preise: gehoben 

Esprit

Nicht nur geschmacklich absolut überzeugend: Erfrischende Cocktails mit Thymian und Minze im Esprit. Foto: Leonie Lakemann

Die nächste Station auf der Cocktail-Entdeckertour ist das Esprit. An einem Sommerabend schmecken die Cocktails im gemütlichen Garten der Bar besonders gut. Ein Blick in die Karte zeigt: Die Auswahl ist ziemlich groß und ziemlich gut – was die Entscheidungsfindung nicht leichter macht. Zum Glück steht Barkeeper Moritz uns (Cocktails trinken sich am besten in Gesellschaft) zur Seite und erweist sich als versierter und eloquenter Cocktail-Profi. Er empfiehlt den Tequila Mint Crush und den Thyme Is Up.

Was ist drin?  

Im Mint Crush bilden Minze, Tequila, Agavendicksaft, Limette und Orange Bitter (ein konzentrierter Orangenlikör) einen giftig grünen Cocktail, der auf jeden Fall Instagram tauglich ist. Der Thyme Is Up mit Gin, Zitrone, Zucker, Thymian und Himbeersirup steht dem optisch in nichts nach.

Der Garten im Esprit – perfekt für einen Sommerabend. Foto: Christoph Mischke

Wie schmeckt’s? 

Vor allem der Tequila-Cocktail überzeugt: Der Tequila schmeckt sehr mild und die Säure wird von der Minze aufgefangen. Zugegeben: Von mir aus hätte ich mir diesen Cocktail vermutlich nicht bestellt. Barkeeper Moritz kennt das Problem. Bei einer Auswahl von über 350 Cocktails, von denen es „nur“ 88 auf die Karte geschafft haben, gehen ziemlich viele, vor allem eher außergewöhnliche potenzielle neue Lieblingsdrinks leider einfach unter.

Moritz kann deshalb den Corona-Bestimmungen auch etwas Positives abgewinnen: „Weil es die Karte nur online gibt, kommen wir mehr mit den Gästen ins Gespräch. Wir fragen dann: ‚Hey, was trinkt ihr gerne, wir machen euch was Passendes!‘“ Unseren Geschmack hat Moritz auf jeden Fall getroffen. Auch der Gin-Cocktail überzeugt mit einer leichten Himbeernote, die dem eher bitteren Gin-Aroma genau so viel Platz zur Entfaltung lässt, dass der Cocktail eine angenehme Erfrischung wird.

Back to the 80‘s 

Weil Moritz offensichtlich viel Ahnung hat, lassen wir uns gerne noch „was Kräuteriges“ empfehlen. Den selbst angesetzten Rumlikör mit Cardamon, Chilli und Kaffee dürfen wir vorab Probe trinken. Schmeckt – wird bestellt. Der Corn ‘n’ Oil schmeckt ein bisschen, als sei er aus der Zeit gefallen. Als müsste man ihn eigentlich in einer schummrigen Bar in den 80er Jahren trinken – irgendwie verrucht. Der süße Falernum prägt den Cocktail und die Ingwer-Note ist gut zu erkennen. Die schweren Aromen des Barbados-Cocktails sind etwas für Kenner*innen – oder für die, die es noch werden wollen.

Wer sollte unbedingt mal herkommen? 

Menschen, die auf geballtes Cocktail-Wissen von kompetenten Barkeeper*innen zurückgreifen wollen und sich auch gerne mal einen Drink abseits des bekannten Cocktail Einmaleins empfehlen lassen.

Preise: mittel 

Strandhaus37

Im Strandhaus bekommt ihr neben den Cocktails das Beach-Flair gleich dazu. Foto: Leonie Lakemann

Wie lässt sich ein guter Cocktail am besten genießen? Richtig, mit Sonne im Gesicht und Sand zwischen den Zehen. Das ultimative Beach-Feeling bietet das Strandhaus37 am Freibad in Weende. Hier wurden ein paar Kubikmeter Sand aufgeschüttet, um Südsee-Flair nach Göttingen zu bringen.

Dank tollem Design fühlt es sich fast wie im Urlaub an. Foto: Leonie Lakemann

Draußen lässt es sich im Sommer unter Palmen sehr gut aushalten. Der perfekte Ort, um den Cocktail-Abend richtig lang werden zu lassen: Stimmungsvoller Fackelschein und Musik irgendwo zwischen Chill-Out und Sommer-Party sorgen für Urlaubsgefühle!

Beach-Flair im Gesamtpaket 

Wenn es für den Strand zu kalt wird, können es sich Gäste wunderbar im beheizten Wintergarten oder am Kamin gemütlich machen. Was mir im Strandhaus sehr positiv auffällt, ist das Gesamtkonzept der Inneneinrichtung. Hier hat sich jemand echt Gedanken gemacht: Bambus und Treibholz, Lounge-Ecken und Liegestühle, Designerlampen und Oktopus-Graffiti bilden einen modernen und stilvollen Beach-Look.

Wie schmeckt’s? 

Aber nun zu den Cocktails: Wir entscheiden uns für die Kombi „Süß und Sauer“. Der Vodka-Cocktail Strawberry Bite hält, was er verspricht. Vodka, Orange, Maracuja, Mango, Sahne und etwas Erdbeersirup bilden einen runden, süßen Cocktail, der Lust auf Sommer, Sonne und Erdbeereis macht. Den Vodka schmecke ich kaum – ein bisschen gefährlich, aber lecker. Der Whiskey-Cocktail Lynchburg Lemonade sorgt mit Tennessee Whiskey, Triple Sec, Zitrone, Limette und Zitronenlimonade für sommerliche Erfrischung.

Für wen ist das Strandhaus was? 

Für alle, die Wert auf das Drumherum legen: An der Atmosphäre gemessen ist das Strandhaus37 kaum zu toppen. Dafür lohnt es sich auf jeden Fall, einmal die Innenstadt zu verlassen.

Preise: mittel 

Diva Lounge

Eine Bar für lange Cocktail-Abende mit guten Freund*innen. Foto: Leonie Lakemann

Die Diva Lounge hat den Charme, den eine Bar haben sollte. Schon von außen ist die bunte Beleuchtung zu sehen, die die überzeugende Botschaft sendet: Hier kann die Nacht zum Tag werden. Drinnen bestätigt sich der erste Eindruck von der lockeren Atmosphäre. Es fühlt sich an, als sei hier wirklich jede*r willkommen – das macht Lust auf einen langen Abend mit guten Gesprächen, Freund*innen und Getränken.

„Die am meisten dekorierten Cocktails sind auch die stärksten“ 

Die Auswahl von 160 verschiedenen Cocktails ist mal wieder überwältigend. Erneut vertraue ich also auf die Erfahrung der Barkeeper. Die machen den Look der Bar komplett: locker, sympathisch und auf die beste Art unangepasst. Ich frage, welche Cocktails auch optisch was hermachen – für die Bilder später – und lerne: Die am meisten dekorierten Cocktails sind auch die stärksten. Ein interessanter Zusammenhang, den ich bei meinen nächsten Cocktail-Recherchen in anderen Bars empirisch überprüfen werde.

Ich lasse mir den Singapore Sling empfehlen, für den unter anderem Gin und Cherry Brandy mit Cointreau, Zitronensaft und Ananassaft gemixt werden. Serviert wird der Cocktail aus der Kategorie Tropical im etwas kitschigen Tiki-Becher und ich muss zugeben: Was die Dekoration angeht haben die beiden Barkeeper nicht übertrieben und eine künstlerische Obst-Installation aufgefahren, die nicht nur was fürs Auge ist, sondern sich auch für den kleinen Appetit zwischendurch als durchaus nützlich erweist. Geschmacklich ist der Cocktail als Klassiker der fruchtigen Drinks zu verorten: Die Süße der Früchte steht im Vordergrund, angenehm abgemildert durch leichte Bitteraromen.

Du solltest deinen Cocktail hier trinken, wenn … 

… du Lust auf klassische Cocktails in entspannter und unkomplizierter Lounge-Atmosphäre hast – und dich musikalisch vom Geschmack der Barkeeperin oder des Barkeepers überraschen lassen willst.

Preise: günstig 

Na, was dabei? Mein Resümee ist jedenfalls durchweg positiv! Was ich zum Schluss aber noch loswerden muss: Natürlich gibt es noch ganz viele andere tolle Locations zum Cocktailtrinken in Göttingen. Vorschläge? Immer her damit! Fortsetzung garantiert.