Spannung: Göttingen in Romanen und Krimis

Neben Reiseführern, Bildbänden und Sachbüchern haben sich einige Schriftsteller*innen Göttingen als Handlungsort ihrer regionalen Kriminalromane ausgesucht. Hier eine kleine Auswahl, die euch die schwierige Lockdown-Phase vielleicht ein wenig erträglicher macht.

Wolf S. Dietrich „Wenn Habich kommt“

Dietrichs aktuelles Werk „Wenn Habich kommt“, ist 2019 erschienen und knüpft an seinen Roman „Die Tote im Leinekanal“ von 2003 an. Lauras Mörder Mark Habich kommt nach 15 Jahren Haft vorzeitig aus der JVA Rosdorf frei. Hat er diejenigen vergessen, die zu seiner Verhaftung und Verurteilung beigetragen haben? Zum Beispiel Anna Lehnhoff. Sie hat immerhin geholfen, den Fall zu lösen. Und Jessica? Beste Freundin der Ermordeten und seinerzeit die Hauptbelastungszeugin. Ein unbekannter Mann gewinnt das Vertrauen ihres vierzehnjährigen Sohns und gelangt so in Jessicas Haus. Mehr gespoilert wird hier nicht, da müsst ihr schon selbst lesen. In allen seinen Göttingen-Krimis legt Dietrich Wert auf Authentizität. Orte, Häuser und Straßen sind so exakt beschrieben, das auch Ortskundige ihre Freude daran haben dürften. Und wenn Kommissar Sven Petterson mit „Telefon vierhundert-zwo-eins-acht-sechs“ die Rufnummer des städtischen Fundbüros durchgibt, so stimmt auch die.

Preis: 12,95 Euro

Über Wolf. S. Dietrich

Wolf S. Dietrich lebt und schreibt in Göttingen und hat hier auch studiert – Germanistik und Theologie. Zahlenmäßig ist der freie Autor, der sich auf Regionalkrimis spezialisiert hat, eindeutig der Chartbreaker. Seit 2001 hat er, neben Geschichten die in Kassel und Cuxhaven spielen, acht Göttingen-Romane geschrieben. Hauptfigur der Reihe ist die Göttinger Journalistin Anna Lehnhoff, die während ihrer Arbeit immer wieder über Kriminalfälle stolpert.


Keinen Beitrag mehr verpassen

Mit unserem Newsletter informieren wir Sie regelmäßig über neue Beitrage auf unserem Blog. Gleich anmelden und alle Beiträge bequem in das eigene E-Mail-Postfach bekommen!

Ich möchte den Newsletter abonnieren, der mich auch individuell nach meinen persönlichen Bedürfnissen über neue Themen informiert. Ich kann den Newsletter jederzeit wieder abbestellen. Details finden Sie in der Datenschutzerklärung. 



 

Dominik Kimyon: „Hainberg“

Auf den Schillerwiesen wird ein Auto gefunden. Der Kunstwissenschaftler Marcel Hofmeister liegt tot auf der Rückbank. Als bekannt wird, dass der Doktorand unter Plagiatsverdacht stand, gerät seine Doktormutter und Geliebte Arlene unter Mordverdacht. Auch der Immobilienhai Gartner war nicht gut auf den Toten zu sprechen, denn dieser verhinderte sein Bauprojekt. Da geschieht ein zweiter Mord, und Kommissar Christian Heldt findet sich zwischen dubiosen Kunstliebhabern und in einem mörderischen Beziehungsgeflecht wieder. Einige Roman-Schauplätze, wie die Stadthäuser des Stegemühlenwegs oder der Wall, liegen in unmittelbarer Nähe zum Arbeitsplatz des Autors, sicher kein Zufall. Das seit Jahren marode ehemalige Restaurant „Zum schwarzen Bären“ hat Kimyon literarisch zur hippen „Black Bear Gallery“ gestylt. Nicht authentisch, aber da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens.

Preis 12,00 Euro

„Wollte schon immer einen Roman schreiben“

Dominik Kimyon stammt aus der Region. Er wurde in Duderstadt geboren und studierte Medienwissenschaft und Sozialpsychologie an der Uni Göttingen. Seit knapp drei Jahren ist er Pressesprecher der Stadt Göttingen. In seiner Freizeit hat er das Schreiben für sich entdeckt. „Es stand schon immer auf meiner Bucket-List, mal einen Roman zu schreiben und wenn, dann muss es auch ein Krimi werden“, sagt Kimyon in einem Radio-Interview. „Hainberg“ ist bereits der zweite Kriminalroman aus seiner Feder. Während „Stallgeruch“ in und um seine Geburtsstadt spielt, wird in seinem neuen Buch in Göttingen gemordet und ermittelt.


Sabine Prilop: „Schnee am Gänseliesel“

2017 erschien Prilops Göttingen-Krimi „Schnee am Gänseliesel“. Ein Mann liegt erstochen auf dem Schulgelände. In der Nähe kauert eine Frau vor einem toten Hund. Schritte hallen, jemand flüchtet. Ist es der Mörder? Die Ermittlungen führen die Kommissarinnen Regula Fach und Simone Böhm in das Göttinger Milieu. Was hat Niko mit dem Mord zu tun? Wer ist es, der ihm nach dem Leben trachtet? Tja, das müsst ihr schon selbst herausfinden. Auch wenn der Roman-Titel es suggeriert, die Geschichte spielt nicht im Winter. Natürlich geht es um Drogen und die Abgründe der menschlichen Seele. Sabine Prilop scheint jede Kneipe, jede Straßenecke und jeden Mauerstein persönlich zu kennen, so detailliert beschreibt sie Göttingen. So dunkel und düster, wie in manchen Passagen, habe ich Göttingen, das auch meine Geburtsstadt ist, allerdings höchstens während dieser Corona-Lockdown-Monate empfunden.

Preis 11,95 Euro

Die Faszination, Menschen zu erfinden

Sabine Prilop ist gebürtige Göttingerin. Bereits mit neun Jahren hat sie ihre ersten Geschichten geschrieben. Heute schreibt sie Essays, Gedichte, Hörstücke, Kurzgeschichten, Romane und arbeitet als Herausgeberin und Ghostwriterin. „Es fasziniert mich, Menschen zu erfinden und Ausschnitte aus deren Leben zu erzählen“, berichtet sie auf ihrer Homepage.


Axel Rüffler: „Das blaue Band“

Ein ganz reales Unglück steht am Beginn des Göttingen-Krimis „Das blaue Band“ von Axel Rüffler. Kurz nach dem Mauerfall kam es in Göttingen zu großen Unruhen. Der Auslöser dafür war, dass die Studentin Kornelia Wessmann auf der Flucht vor der Polizei am Iduna-Zentrum von einem Auto überfahren wurde und starb. Fast dreißig Jahre später, so der Roman, wird an der gleichen Stelle ein Mann überfahren, der Fahrer zündet das Auto an und verschwindet. Kommissar Stürmer ermittelt. Kurz darauf wird ein Mann mit Lungenpest ins Klinikum der Stadt eingeliefert. Drei französische Kommissare von Europol übernehmen den Fall, denn wie sich herausstellt, handelt es sich bei dem Erreger um einen multiresistenten biologischen Kampfstoff aus sowjetischer Produktion aus der Zeit des Kalten Krieges. Schnell wird klar, dass die beiden Fälle zusammenhängen. Dann geht ein Erpresserschreiben bei der Stadt Göttingen ein.

Preis 9,99 Euro

Rüffler entdeckt das Schreiben erst spät

Bei Lungenpest muss ich unwillkürlich an Corona denken, beim biologischen Kampfstoff an den russischen Regimekritiker Alexej Nawalny. Allerdings ist das Buch bereits im August 2019 erschienen. Axel Rüffler wurde 1963 in Halle/Saale geboren. Er war Elektriker in den VEB Leuna Werken und reiste 1988 in die Bundesrepublik aus. Nach einer Ausbildung zum Krankenpfleger arbeitet er heute in der forensischen Psychiatrie. Er entdeckt erst spät, im Alter von 50 Jahren, seine Leidenschaft am Schreiben. Er selbst beschreibt es so: „Nach einem langen, relativ erfolglosen Arbeitsleben und daraus resultierenden Rückenschmerzen und kaputten Knien, beschloss ich im reiferen Lebensalter, mir durch das Schreiben von Büchern einen kleinen Zugewinn zu verschaffen, was aber bis jetzt keineswegs von Erfolg gekrönt war.“


Christoph Ribbat: „Deutschland für eine Saison“

Das letzte Buch passt nicht ins Roman-Genre. Es handelt sich vielmehr um eine Biografie, die allerdings eng mit Göttingen verbunden ist. Wilbert Olinde, genannt die „Schwarze Perle“, kam 1977 nach Göttingen um ein Jahr lang Basketball beim SSC Göttingen zu spielen. Stadt und Menschen gefielen ihm so gut, dass er blieb und von 1979 bis 1984 an der Universität Betriebswirtschaftslehre studierte. Von 1977 bis 1987 spielte er Basketball für den SSC, der 1980 im ASC aufging. Mit dem SSC/ASC wurde er dreimal Deutscher Meister und zweimal Deutscher Pokalsieger. Er avancierte schnell zum Publikumsliebling, zur „Galionsfigur der Göttinger Erfolge“. Unvergessen sind die Szenen in der Godehardhalle, wenn der 2,02-Meter-Mann auf den Knien lag und auf dem Parkett seine herausgesprungen Kontaktlinsen suchte.

Preis: 24,00 €

Wilbert Olindes Alltag in Deutschland

Autor Christoph Ribbat beleuchtet in „Deutschland für eine Saison“ Olindes Alltag als Fremder in Deutschland. Er verknüpft ihn mit politischen Strömungen und dem gesellschaftlichen Zeitgeist. Alltagsrassismus, Anti-Amerikanismus, gefühlte Weltoffenheit und bequeme Spießigkeit kommen da in Göttingen zusammen. Tatsächlich hätte Olindes Aufenthalt bei uns bedeutend kürzer werden können, denn nach der recht erfolglosen ersten Saison teilten die damaligen SSC-Verantwortlichen Trainer Terry Schofield unmissverständlich mit: „Du kannst bleiben, aber der N…. muss weg.“ Heute würde so ein Satz sicher zu einem Shitstorm ungeheuren Ausmaßes führen und Gott sei Dank ist es ja auch anders gekommen. Die “Schwarze Perle” blieb.

Foto- & Videocredits

Coverabbildungen: die jeweiligen Verlage                                                                   Titelfoto (Montage): Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke