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Sehenswürdigkeiten: Der Wall in Göttingen

9. Juni 2022
Egal, wen man fragt, alle lieben den Göttinger Stadtwall. Seit Generationen übt Göttingens grüner Gürtel um die Altstadt eine besondere Faszination auf die Menschen aus. Zu jeder Jahreszeit, vom zarten Grün im Frühling, über die üppige Belaubung im Sommer, bis zum rot-braun-golden getünchten Herbst.

Es gibt viele liebenswerte Orte in Göttingen. Einer davon ist der Wall. Göttingens grüner Gürtel um die Altstadt übt seit Generationen eine besondere Faszination aus. Zu jeder Jahreszeit, vom zarten Grün im Frühling, über die üppige Belaubung im Sommer, bis zum rot-braun-golden getünchten Herbst. Sogar im Winter ist der Wall spannend, denn dann erkennt man die mächtigen Baumriesen erst so richtig. Sollte Schnee fallen und ausnahmsweise liegen bleiben, so ist der Wall ein Traum in Weiß.

Fast alle Wallaufgänge barrierefrei

Morgens herrscht reger Betrieb

Viele Menschen starten ihren Rundgang am Wallaufgang östlich der Volksbank am Geismar-Tor. Er ist barrierefrei, wie fast alle der zahlreichen Wallaufgänge, aber im oberen Bereich doch recht steil. Morgens herrscht hier meist reger Betrieb. Jogger*innen, Hundhalter*innen, Schüler*innen und Studis sind hier unterwegs. Ein paar Meter habt ihr einen Blick auf das Rosarium jenseits des Bonifatius-Schulhofs, zur Rosenblüte im Spätsommer immer ein besonders farbenprächtiger Ort.

Der Göttinger Wall

So sah es früher aus: Tafeln mit historischen Wallansichten.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke

Der Göttinger Wall

Allgegenwärtig: die Doppel-Türme von St. Johannis.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke

Die dicht belaubten Linden geben auf der linken Seite hier und da den Blick auf unsere höchsten Innenstadtkirchen St. Johannis und St. Jacobi frei. Herrlich sieht das bei klarer Luft in der Morgensonne aus. Obwohl, eigentlich sieht man diese dominanten Kirchtürme von fast jeder Stelle des Walls aus. Auf der rechten Seite führt ein Weg zum historischen ehemaligen Albanifriedhof hinunter, der inzwischen als Freizeitareal dient.

 

Der Schwänchenteich

Sternenförmig glitzern die Wasserstrahlen: der Schwänchenteich.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke

Springbrunnen und Steinskulpturen

Macht mal einen Abstecher und seht euch das Grab von Carl Friedrich Gauß an. Dieser Wallabschnitt ist eine Oase der Ruhe. Man hört Dutzende von Vögeln zwitschern und Bienen, die um vielerlei bunte Blüten summen. Licht und Schatten wechseln beständig und über den Hausdächern ziehen zahllose Schwalben ihre Kreise.

Albani-Friedhof: Gauß Grab

Die Grabstätte von Carl Friedrich Gauß auf dem Albani-Friedhof.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke

Leise plätschert der Springbrunnen im Schwänchenteich. Sternförmig glitzern die neun Wasserstrahlen im Gegenlicht auf der Oberfläche. St. Albani schlägt 10 Uhr. Vom Spielplatz im Cheltenhampark dringt fröhliches Kinderlachen ans Ohr. Am Albaniplatz, direkt neben dem Rohns’schen Badehaus von 1820, endet dieser Wallabschnitt. Dort hat Bildhauer Joachim Eriksen neben seinem Atelier die sehr weibliche Steinskulptur „Die Läuferin“ aus einem großen Block Weserbergland-Kalkstein herausgearbeitet. Auf dem Albaniplatz hat er gerade sein neues öffentliches Projekt „Das Göttinger Buch der Zukunft“ gestartet. Von der gegenüberliegenden Seite des Platzes seht ihr schon das Deutsche Theater mit dem wunderschönen Kandelaber auf seinem farbenfroh bepflanzten Rondell davor.

Bäckermeister und Skulpturenensemble

Tipp: der Alte Botanische Garten

Links vom DT beginnt der Abschnitt, der Ernst-Honig-Wall genannt wird. Benannt nach dem Göttinger Bäckermeister, der es im 19. Jahrhundert mit vergnüglichen Geschichten in Göttinger Mundart zu einigermaßen, zumindest lokalem, schriftstellerischem Ruhm gebracht hat.

Das Deutsche Theater

Im Jahr 1890 eröffnet: das Deutsche Theater am Wall.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Das Tropenholz-Mahnmal

Bekenntnis der Stadt zum Verzicht: Das Tropenholz- Mahnmal.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Die Geschichten um „Schorse Szültenbürger“ sind auch heute durchaus lesenswert. Auf der Wiese vor dem Theater steht das sechsteilige Skulpturenensemble des Künstlers Uwe Schloen. Falls ihr Kinder dabei habt, sie werden definitiv den überdimensionalen Stuhl lieben. Einige Meter hinter dem DT beginnt auf der rechten Seite unterhalb des Walls das Gelände des Alten Botanischen Gartens. Den müsst ihr unbedingt besuchen. Folgt einfach dem hölzernen Wegweiser. Vom Wall aus habt ihr den besten Blick am Tropenholz-Mahnmal. Hier stehen auch zwei der zahlreichen Bänke auf dem Wall.

 

Historisches Gewächshaus

Gewächshäuser aus dem 19. Jahrhundert. die Orangerie.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Frösche am Audimax

Hinter Bremers Weinkeller könnt ihr einige der historischen Gewächshäuser des Botanischen Gartens betrachten, und wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr im begrünten Innenhof sogar die Bronze-Büste des Gründers Albrecht von Haller. Dazu wird euch, je nach Jahreszeit, ein vielstimmiges Gequake der Wasserfrösche in den umliegenden Teichen begleiten.

Heckenrosen auf dem Wall

Zauberhaft: prächtig blühende Heckenrosen am Wegrand.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

An prächtig blühenden Heckenrosen vorbei geht es in Richtung Auditorium Maximum. Darin befindet sich unter anderem die Kunstsammlung der Universität. Falls ihr Hunger bekommen habt, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt. Zu eurer Linken befindet sich die sogenannte „Döner-Meile“ mit Imbissen, Cafés und Schnellrestaurants, wo ihr fix einkehren könnt.

Reizvolle Ein- und Ausblicke

Die Rückseite der Altstadt

Der Wall-Bereich jenseits der Weender Straße ist nicht mehr ganz so verträumt still wie zuvor. Das liegt an der vielbefahrenen Berliner Straße, die parallel zum Wall verläuft, eine der Hauptverkehrsadern Göttingens. Dafür punktet dieser Abschnitt mit reizvollen Blicken auf Höfe und Gärten, quasi die Rückseite der Altstadt.

Der Göttinger Wall

Unklare Bedeutung: Diente dieser Sandstein-Block als Tisch?

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Das Synagogen-Mahnmal

Beeindruckend aus jeder Perspektive: das Synagogen-Mahnmal.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Der gesellschaftskritischen Graffiti-Wand zu Beginn solltet ihr auch ein wenig Aufmerksamkeit schenken. Was es mit dem Sandstein-Tisch ein paar Meter weiter auf sich hat, weiß ich leider auch nicht, aber dazu könnt ihr ja den Gästeführer oder die Gästeführerin eines Wall-Rundgangs von Göttingen Tourismus löchern.

Beeindruckendes Mahnmal

Auf eurem Weg kommt ihr am Waageplatz mit seinem großen Springbrunnen vor der Staatsanwaltschaft und dem ehemaligen Gefängnis mit seiner rosafarbenen Fassade und den vergitterten Fenstern vorbei. Schaut euch bei einem Abstecher unbedingt das Synagogen-Mahnmal an, auch von unten. Es ist auf so viele Weise beeindruckend.

Planetenweg und Forum Wissen

Wunderschöne Architektur

Bevor ihr die Goetheallee überquert beginnt linker Hand nach 50 Metern  der Planetenweg von Reinhold Wittig mit der Sonnen-Stele vor Gebhards Hotel. Den solltet ihr bei nächster Gelegenheit einmal entlang gehen, es lohnt sich.

Das Forum Wissen

Im Mai 2022 eröffnet: das Forum Wissen der Uni Göttingen.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Kultur am Wall

KAZ, Junges Theater und Méliès: die Kultur am Wall.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Der Göttinger Bahnhof und das neu eröffnete Museum Forum Wissen sind durch das dichte Grün nicht oder nur in kleinen Ausschnitten zu erkennen. Umso besser aber, auf der linken Seite, die wunderschöne Architektur der Alten Fechthalle, in der die Ballettschule „Art la Danse“ zuhause ist.

 

Die Bodenfelder Synagoge

Komplett restauriert: die Bodenfelder Synagoge.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Kultur am Wall

Am Hirtenbrunnen kreuzt ihr die Groner-Tor-Straße und folgt dem Wall in weitem Halbrund. Nach der Brücke über die Gartenstraße fällt euer Blick auf die „Kultur am Wall“. Hier sind das KAZ, das Programmkino Méliès in der ehemaligen Baptistenkirche und temporär das Junge Theater zuhause. Am Ende dieses Wallabschnitts, an der Angerstraße, steht auf der linken Seite die kleine Bodenfelder Synagoge. Richtig gelesen: Bodenfelder. Das Gotteshaus wurde nämlich in einem recht erbärmlichen Zustand 2006 in dem kleinen Weserort abgebaut, komplett restauriert und 2008 als Gebetshaus der Jüdischen Gemeinde Göttingen hier wieder eingeweiht.

 

Helden der Wissenschaft

Bismarck und die älteste Linde

Vorbei an der mächtigen Linde, der ältesten auf dem Wall, das Hinweisschild vermerkt als Pflanzjahr 1765, geht es weiter zum Bismarckhäuschen. In diesem ehemaligen Wehrturm der Wallanlage wohnte der ehemalige Reichskanzler im Jahr 1833 für ein halbes Jahr.

Der Wall

Ehemaliger Wehrturm: das Bismarckhäuschen auf dem Wall.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Gauß-Weber-Denkmal

Erfinder des Telegrafen: das Gauß-Weber-Denkmal.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

In der restaurierten Odilienmühle aus dem 12. Jahrhundert, direkt gegenüber, werden heute Cocktails und Tex-Mex-Food einer Restaurantkette serviert. Macht Spaß, sich dort an lauen Sommerabenden am Leinekanal im Liegestuhl zu fläzen. Um Getränke geht es auch beim nächsten Stopp im letzten Wallabschnitt jenseits der Nikolaistraße. Das Gauß-Weber-Denkmal ehrt die beiden Wissenschaftler für ihre Erfindung des Telegrafen. Ursprünglich hielten sie als Symbol einen Draht in den Händen, der aber im Lauf der Zeit verschwunden ist. Heute sind es häufig Bierflaschen. Angeblich ist es Teil einer Tradition von Physik- und Mathematikstudenten, nach der Promotion mit ihren Helden der Wissenschaft „anzustoßen“.

 

Das Accouchierhaus

Ehemalige Geburtsklinik: das Accouchierhaus.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Der Göttinger Wall

Deutsch-polnisches Kunstwerk: “Wasser kennt keine Grenzen”

Musikinstrumente und Völkerverständigung

Nach einem Blick auf das Denkmal für Gottfried-August-Bürger, das in Steinwurfweite direkt an der vielbefahrenen Bürgerstraße steht, seid ihr am Ende eurer Wallumrundung angelangt. Vor euch das Volksbank-Gebäude, links das Accouchierhaus, die ehemalige Geburtsklinik für mittellose Frauen. Darin befindet sich heute die spannende und umfangreiche Universitätssammlung von Musikinstrumenten aus aller Welt.

360-Grad-Rundgang

Die Sammlung ist derzeit wegen Renovierungsarbeiten am Gebäude geschlossen. Ein wunderbarer 360-Grad-Rundgang zeigt euch aber virtuell, was ihr verpasst. Auf der rechten Seite seht ihr noch ein bemerkenswertes Kunstwerk, das im Rahmen der heute über 40 Jahre währenden Städtepartnerschaft Göttingens mit dem polnischen Toruń entstanden ist. „Woda Nie Zna Granic – Wasser kennt keine Grenzen“ heißt das polnisch-deutsche Gemeinschaftswerk und thematisiert die Grenzüberwindung und Völkerverständigung. In der heutigen Zeit mindestens genauso aktuell wie zu seiner Installation 1988.

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