Der Tausendsassa – Daniel von Trausnitz

Anfang Februar hat Göttingen Tourismus der Öffentlichkeit fünf neue Image-Filme vorgestellt, die unter Mitwirkung von Göttinger Kulturschaffenden entstanden sind. Einer von ihnen ist Daniel von Trausnitz, Schauspieler, Sprecher und Autor. Ach ja, Musiker ist er auch. Daniel spielt Klavier, Gitarre und Bass, hat in unterschiedlichen Bandprojekten mitgemischt und Songs geschrieben. Ich habe das Multitalent zuhause besucht.

Stürmische Begrüßung

„Hast du Angst vor Hunden“, fragt Daniel, weil ich wohl durch das Bellen und Freudengeheule aus dem ersten Stock irritiert scheine. Nö, sag‘ ich, hatte ich noch nie. Das registrieren Daniels Weimaraner auch ganz fix und ich erlebe eine stürmische Begrüßung. Nachdem ich, noch auf dem Treppenabsatz, reichlich Streicheleinheiten an Molly (10) und Albrecht (6) verteilt habe, lassen sie mich in die Küche, wo schon ein leckerer Kaffee auf mich wartet.

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Die zwei Daniels

Liebe: Daniel und sein sechsjähriger verschmuster Weimaraner Albrecht. Foto: Christoph Mischke

Bisher glaubte ich, Daniel ziemlich gut zu kennen, denn er ist auf seinem Facebook-Account sehr präsent. „Was du dort siehst, ist nicht der private Daniel von Trausnitz“, sagt er lächelnd, „das ist meine Rolle, die Kunstfigur gleichen Namens.“ Nun gut, denke ich, das ist natürlich für die Menschen schwer zu unterscheiden, wenn es unter dem gleichen Namen und ohne Künstler-Pseudonym läuft. Im Gegensatz zur öffentlichen Daniel-Figur lebt der Privatmann, der sich nach eigenen Worten schwer tut andere Menschen kennenzulernen, sehr zurückgezogen. „Ich würde im Supermarkt eher drei Stunden einen Artikel suchen, bevor ich einen Verkäufer danach frage,“ sagt er.

Nur noch gebrauchte Klamotten

Textkontrolle: Daniel ist als deutscher Sprecher gefragt. Foto: Christoph Mischke

Daniel ist sehr politisch, wie er mir verrät. „Tief im Bauch bin ich Sozialist“, sagt er, „wenn es einen Kommunismus gäbe, der funktioniert, so wäre ich dabei.“ Daniel bestellt nichts im Netz, was auch vor Ort verfügbar ist, kauft konzentriert und gezielt nur das ein, was er benötigt. „Seit zwei Jahren trage ich nur noch gebrauchte Klamotten“, berichtet er mir. Der Mehrfachnutzen, will heißen die Nachhaltigkeit, ist für ihn dabei die Triebfeder, denn die Kleidung ist ja schließlich schon mit einer gewissen CO2-Bilanz produziert worden und sollte dann auch möglichst lange halten und genutzt werden. Gleiches müsste für ihn beispielsweise auch für Autos gelten, anstatt immer neue Modelle auf den Markt zu werfen. „Es ist völliger Schwachsinn, wie wir mit der Erde umgehen und ihre Ressourcen verschwenden“, fasst er kurz und bündig zusammen.

„Alles bleibt anders“

Treue Seele: Albrecht braucht viel Körperkontakt. Foto: Christoph Mischke

Die Corona-Krise hat natürlich, vor allem was die öffentlichen Auftritte angeht, auch bei Daniel große finanzielle Einbußen verursacht. Er nimmt es so gelassen, wie es eben geht und meint: „Ich hoffe, dass diese Pandemie unsere Konsumgesellschaft grundlegend verändert.“ Während der nahezu auftrittslosen Zeit, hat er sein Programm „Das Leben ist ein Strickstrumpf“ größtenteils umgeschrieben. „Einfach, weil es nicht mehr in mein Leben passt“, sagt er. „Alles bleibt anders“ heißt es nun und beschreibt in daniel-typischem Humor die Phasen einer manisch-depressiven Erkrankung. Er spielt mir einen Soundschnipsel vom Einstieg in das Programm auf seinem Handy vor, und ich kann mich kaum vor Lachen auf dem Stuhl halten. Lachtränen kullern mir von den Wangen, während ich Molly streichele, die von so viel Frohsinn angelockt, in die Küche kommt.

Toxische Beziehungen

Die Stimme macht’s: Daniel spricht hauptsächlich Werbespots ein. Foto: Christoph Mischke

Derzeit schreibt Daniel auch an einer Geschichte über „perfekte Brüste“, wie er sagt. Mein gedachtes „huch“ bemerkt er sofort. „Das ist weder chauvinistisch noch sexistisch“ erklärt er mir. „Es geht vielmehr um die toxischen Beziehungen, denn es gibt ja augenscheinlich kaum noch herkömmliche Anbahnungen im realen Leben, man lernt sich online kennen.“ Er stößt zunehmend auf Begriffe wie „love bombing“, „future faking“, „fast forwarding“ oder gar „gas lighting“. Begriffe, die für psychische Manipulation stehen und somit für das genaue Gegenteil einer intakten Beziehung. Ich bin schwer gespannt, was dabei rauskommt, wenn Daniel seine Gedanken zu Papier gebracht hat.

Vor der Fernsehkamera

Erfolgreich: Daniel als Wanderführer für den Hessischen Rundfunk. Foto: Christoph Mischke

Daniels Rollen als Sprecher laufen auch in Corona-Zeiten weiter. Er bietet seine Stimme auf dem Serviceportal „Bunny Studio Voice“ als deutscher Sprecher vorwiegend für Werbespots an. Darüber hinaus produziert er Schulungsvideos und Tutorials für Firmen und schreibt auch Werbetexte für ein Fahrradgeschäft. Auch vor der Fernsehkamera hat der talentierte Tausendasassa, wie ich ihn gerne nenne, schon gestanden. Zwischen 2015 und 2019 war er für die Serie „Erlebnis Hessen“ im Auftrag des Hessischen Rundfunks unterwegs. Als Wanderführer hat er mit drei Freunden ausgesuchte Wege in Nordhessen erkundet. „Völlig authentisch und vor allem nicht geskriptet haben wir über die Natur und auch die geschichtlichen Hintergründe berichtet“, sagt er und fügt nicht ohne Stolz hinzu: „Das war eine der erfolgreichsten Sendereihen des Hessischen Rundfunks.

Eigenbrödler mit Sommerhit

Lieblingsgitarre: Daniel spielt seit seinem sechsten Lebensjahr. Foto: Christoph Mischke

Nicht nur Deko: Instrumente in Daniels Kellerstudio. Foto: Christoph Mischke

Daniel zeigt mir noch sein Keller-Studio, wo er unter anderem YouTube-Videos für den offenen Kanal Kassel produziert. Entspannt sitzt er auf dem Stuhl und spielt einige selbstkomponierte Melodien auf seiner Lieblingsgitarre, einer mattschwarzen Ibanez. Bereits mit sechs Jahren hat er Gitarrenunterricht genommen, das Bassspielen hat er sich autodidaktisch beigebracht. So richtig lange ausgehalten hat es der Eigenbrödler, wie er sich selbst bezeichnet, in den Bands, in denen er gespielt hat, nie. „Long strange trip“, „Higher than Everest“, „Stahlmann“ oder „Anderlein“ waren allenfalls Stationen, auf die er gerne zurückblickt, aber für deren Gruppendynamik er schlussendlich nicht geschaffen war. Stolz ist er allerdings auf den Sommerhit „Sunlight Serenade“ von 2008, den er mit „Longe strange trip“ eingespielt hat. Auch in seinem neuen Programm „Alles bleibt anders“ wird er ein wenig Gitarre spielen, verrät er mir.

Göttingen ist Heimat

Mitunter etwas rustikal: Daniel während einer Lesung 2018. Foto: Christoph Mischke

Obwohl er in Göttingen noch nie einen vom Veranstalter gebuchten Auftritt hatte, ist Göttingen Heimat für Daniel. „Das wird die Stadt auch immer sein“, sagt er, „weil sie so heimelig ist.“ Göttingen ist jung und dynamisch, findet er. Es passiert viel und die Menschen, die er trifft sind toll und überhaupt nicht oberflächlich. Daniel liebt das Fachwerk in der City und dass die Geschichte der Stadt überall sichtbar ist. „Irgendwie erfindet sich Göttingen immer wieder neu“, sagt er lächelnd.

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