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Ehrenamt & soziale Projekte: Göttingen engagiert sich

27. Januar 2022
Zahlreiche Institutionen, Initiativen und Projekte engagieren sich in Göttingen seit Jahren im sozialen, pädagogischen oder medizinischen Bereich. Wir stellen euch drei Beispiele vor.

Göttingen, eine Stadt, in der es sich gut leben lässt – für alle. Natürlich gibt es auch hier Menschen, die in ihrer Lebenssituation Unterstützung, Hilfe oder Schutz benötigen. Zahlreiche Institutionen, Initiativen und Projekte engagieren sich seit vielen Jahren im sozialen, pädagogischen oder medizinischen Bereich – vielfach von unzähligen ehrenamtlichen Helfern entlastet. Aus der Vielzahl von Angeboten möchten wir euch hier drei Beispiele vorstellen, die bislang nicht so sehr im Fokus der Öffentlichkeit stehen.

„Balu und Du“

Patenschaften für Grundschulkinder

Der Dschungel des Lebens kann für Kinder im Grundschulalter ziemlich dicht und undurchschaubar sein. Speziell dann, wenn die Eltern aufgrund der familiären Gegebenheiten, wegen sprachlicher Schwierigkeiten oder der Anforderungen der Arbeitswelt nur wenig Zeit haben. „Balu und Du“ ist ein bundesweites Mentorenprogramm, das Grundschulkinder im außerschulischen Bereich fördert. Es bringt Kinder mit jungen Erwachsenen zusammen, die bereit sind, ein Jahr lang eine Patenschaft für ein Kind zu übernehmen.

Eingeschworenes Dream-Team: Mogli Hyeonjun und sein Balu Luise.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke

Gemeinsame Freizeit: Das Lesen von Büchern steht bei Hyeonjun und Luise hoch im Kurs.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke

 Als „Balu“, wie der gemütlich, stets gut gelaunte und hilfsbereite Bär aus dem Dschungelbuch, begleiten sie ihren „Mogli“ durch den Alltag und unternehmen einmal in der Woche etwas mit ihrem Patenkind. Einen solchen stets erreichbaren Freund können viele Kinder nämlich gut gebrauchen. In Göttingen ist das Programm beim CVJM angesiedelt. Ansprechpartnerin Pauline Fabre ist stets auf der Suche nach Paten und Patinnen, denn: „ Wir haben viel mehr Moglis als Balus.“

Geheimwege und Wissensbücher

Soweit die Theorie, doch wie funktioniert das im echten Leben? Beim CVJM können Balu Luise und ihren achtjährigen Mogli Hyeonjun davon erzählen. Seit Februar 2021 sind sie eines von zehn aktiven Gespannen in diesem Jahr.

Ohne Punkt und Komma sprudeln die gemeinsamen Aktivitäten nur so aus kleinen Koreaner heraus. Begeistert berichtet er vom Blumenpflücken, von den Geheimwegen, die die beiden entdeckt haben, von Eseln, die sie unterhalb der Burg Plesse gestreichelt haben, und von den Wissensbüchern rund um den Planeten Erde, die er regelmäßig mit Luise liest. Sein Seepferdchen hat er auch schon gemacht und möchte bald die Prüfung für sein Schwimmabzeichen in Bronze ablegen. „Einen Meter achtzig tief bin ich in der Eiswiese schon getaucht“, erklärt Hyeonjun, „und habe mich sogar unter Wasser auf den Boden gesetzt.“

Musikalische Freizeitgestaltung: Beide Seiten können voneinander profitieren.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke

Gegenseitiger Austausch

Luise lässt den Jungen lächelnd seine Begeisterung schildern. „Es ist ein gegenseitiger Austausch“, sagt sie schließlich, „auch mir gibt diese Beziehung sehr viel. Ich bin quasi in Hyeonjuns Familie aufgenommen worden und habe schon sehr viel über die koreanische Lebensart und Herzlichkeit erfahren dürfen.“ In ihrem Gespann ist der Achtjährige aber stets der Bestimmer, erzählt sie lachend.

Natürlich sei er ein guter Schüler, berichtet der Drittklässler. „Ich mache Mathe gerne und Schwimmen auch“, sagt er. „Außerdem kann ich Cello spielen.“ Luise nickt anerkennend. Ein Dream-Team. Beide wollen ihre Patenschaft auf jeden Fall über das vereinbarte Jahr hinaus fortsetzen, das ist klar. Ein gemeinsam erstelltes Foto- und Bastelbuch wird diese für beide Seiten fruchtbare Beziehung dokumentieren.

 

Das „Hope-Café“

Kaffee und Kuchen für Menschen in Notlagen

Stellt euch vor, ihr trinkt guten Kaffee, esst dazu leckeren hausgemachten veganen Kuchen oder Sandwiches und helft damit gleichzeitig Menschen, die sich genau das und vieles anderes mehr gerade nicht leisten können.

Familiär: Johanna Klenk und ihr Team engagieren sich im Hope-Café.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Einladend: bequeme Sessel und warme Farben.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Das klingt nicht nur toll, sondern ist es auch. Unter dem Motto „machen statt reden“ haben Johanna Klenk und Agnes Wendland im Mai 2021 ihr „Hope-Café“ in der Groner-Tor-Straße 29a eröffnet. Wunderschön sieht es aus, bequeme Sessel, Fachwerkbalken und warme Farben laden zu einem gemütlichen Aufenthalt ein.

Und herrvorragenden Kaffe haben sie auch: Er kommt aus Kolumbien, Peru oder Nepal, ist biologisch angebaut und zu den Kaffeebauern besteht ein persönlicher Kontakt. „Das ist ein ganz direktes Ding“, erklärt Johanna, „unser Ziel ist es, dass diejenigen Menschen am Kaffee verdienen, die ihn mit Leidenschaft ernten und verarbeiten.“

Hilfe kommt an: Gewinn und Trinkgelder fließen direkt zurück in unterstützte Projekte.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Was will der Gast mehr: hausgemachter Kuchen und guter Kaffee.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Sprechen, zuhören, helfen

Darüber hinaus tut der Verein etwas in Göttingen, das auch tatsächlich bei den Menschen ankommt“, berichtet Johanna. Das Café ist dabei die Schnittstelle, denn es ist auch Anlaufpunkt für Menschen, die akut Hilfe benötigen, beispielsweise weil sie gerade körperliche Gewalt erfahren haben. „Unser Team ist die Familie“, sagt Johanna, „wir nehmen uns Zeit, wir sprechen, aber vor allem hören wir genau zu.“ Zehn Angestellte arbeiten derzeit im Hope-Café und weitere zehn Mitarbeiter*innen sind ehrenamtlich an Bord. Der gesamte Gewinn, und dazu gehören auch die Trinkgelder an die Belegschaft, fließt direkt zurück in zahlreiche Projekte.

Aktive Unterstützung in der Not

Dabei macht sie keinen Hehl aus den christlichen Motiven, die sie und ihre Mitstreiter*innen leiten. Sie hätten alle so viel Gutes empfangen und möchten das an die Menschen weitergeben, die es dringend brauchen. „Wir wollen der Stadt ein Segen sein“, bringt es Johanna auf den Punkt. Anstatt abzuwarten, werden die Helfer*innen selbst aktiv. „Wir gehen auf die Straße, gehen in die Gefängnisse, in die Bordelle und die Spielcasinos und sehen selbst, wo Unterstützung nötig ist.“

Kinder- und Jugendhospiz „Sternenlichter“

Eine Vision wird wahr

Gibt es eine schrecklichere Diagnose für eine Familie, als wenn ein Kind lebensverkürzend erkrankt ist? So eine Alptraumsituation, die das gesamte Leben aus den Fugen geraten lässt, können sich die wenigsten Menschen im Ansatz vorstellen. Wie kann man diese betroffenen Kinder und ihre Familien unterstützen?

Ort des Lebens: Nicole Zimmer und Gabriele Pfahlert vor dem späteren Hospizgelände.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Öffentlichkeitsarbeit: Ein Teil des zukünftigen Sternenlichter-Teams auf dem Göttinger Kindertag 2021.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Eine Vision davon haben Nicole Zimmer, Oberin des Vereins DRK-Schwesternschaft Georgia-Augusta, und ihrer Vertreterin Gabriele Pfahlert. Die Schwesternschaft setzt derzeit mit Unterstützung eines engagierten Fördervereins eine großartige Vision um. Im Groner Altdorf, am Helvesanger 10, entsteht ab dem Frühjahr 2022 das Kinder- und Jugendhospiz „Sternenlichter“, als erst dritte derartige Einrichtung in ganz Niedersachsen.

Ort des Lebens und des Lachens

„Die Mütter und Väter, die teils schon jahrelang mit der Krankheit ihres Kindes leben, können häufig einfach nicht mehr und sind mit ihren Kräften irgendwann am Ende“, sagt Nicole Zimmer. „Aber auch die Geschwisterkinder sind betroffen“, ergänzt Gabriele Pfahlert, „denn sie müssen oft zurückstehen und kommen mit ihren Wünschen und Gefühlen zu kurz.“ Beide haben viele Jahre in der Kinderkrankenpflege gearbeitet und wissen, wie wichtig es ist, in der Kinderhospizarbeit die gesamte Familie einzubeziehen.

So wird es auch in Göttingen unter der Betreuung durch ein multiprofessionelles Team werden. „Sternenlichter“ wird ein Ort sein, wo die gesamte Familie wieder Kraft schöpfen kann. „Ein Ort des Lebens und des Lachens“, wie die Oberin sagt, „wo die Kinder, gemeinsam mit den Eltern und Geschwistern, eine schöne Zeit verbringen und die Krankheit einmal in den Hintergrund tritt.“

Das kuschelige Symbol für die “Sternenlichter”.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Freiwilligenagentur Göttingen

Engagiert: Dagmar Pairan und Timo Holloway am Messestand der Freiwilligenagentur.

Foto: Freiwilligenagentur Göttingen

Sorgenfreie Zeit und bürgerliches Engagement

Sie selbst war schon häufig sprachlos, angesichts der Kraft und der Energie, die kranke Kinder aufbringen können. Durch zahlreiche Therapien förmlich gereift, sind sie häufig sogar in der Lage ihre verzweifelten Eltern zu trösten. Umso wichtiger ist die hier verlebte möglichst sorgenfreie Zeit. Auf das bürgerliche Engagement können die Damen jedenfalls schon einmal setzen. Bereits im Vorfeld haben sich zahlreiche Göttinger*innen bei der Schwesternschaft gemeldet, um bei der Ausgestaltung der möglichen Aktivitäten tatkräftig zu helfen. „Wir haben schon ganz viele Angebote erhalten“, vom gemeinsamen Töpfern über Tiertherapien bis hin zum Einsatz unseres Groner Kontaktbereichsbeamten, der für die Kids einen Polizeiwagen organisieren möchte.“

Selbst engagieren: Freiwilligenagentur Göttingen

Vielleicht habt ihr ja jetzt Lust bekommen, euch selbst ehrenamtlich zu engagieren. Dann ist die Freiwilligenagentur Göttingen für euch der richtige Ansprechpartner. Sie ist Anlauf-, Beratungs- und Begegnungsstelle für alle, die sich für eine freiwillige und ehrenamtliche Tätigkeit interessieren. Lasst euch doch vom FWA-Team einmal ganz unkompliziert über ehrenamtliche Beschäftigungsangebote in den Bereichen Kultur, Kirche, Sport und Soziales beraten.

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