Göttinger Solidarität gegen Corona-Virus

Es sind denkwürdige Zeiten, wie wir sie wohl alle noch nie erlebt haben. Das Corona-Virus hat nicht nur die Stadt, das Land und Europa fest im Griff. Weltweit kämpfen die Menschen nicht nur um ihre Gesundheit, sondern auch um ihr wirtschaftliches Überleben, denn das öffentliche Leben ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Wo viel Schatten ist, ist aber auch viel Licht. In den vergangenen Tagen hat sich in der Region eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität entwickelt, denn die virusbedingten Kontaktbeschränkungen haben viele lokale Unternehmen in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht. Zahlreiche Geschäfte, Dienstleister, Kunst- und Kultureinrichtungen mussten schließen und vor allem kleine Firmen, Selbstständige und Freiberufler in nahezu allen Branchen bangen um ihre Existenz. Ich möchte mit diesem Blog-Beitrag versuchen, möglichst viele dieser wunderbaren gebündelten Aktionen und Selbsthilfemaßnahmen vorzustellen, und sie euch mit entsprechenden orangefarbenen Links unbedingt empfehlen. Denn: Es wird eine Zeit nach Corona geben und wir sollten jetzt alles dafür tun, dass sie ebenso bunt, vielfältig und vor allem lokal geprägt ist, wie vor der Krise.

Bürgertelefon und Live-Ticker

Der Stab für außergewöhnliche Ereignisse der Stadt Göttingen informiert täglich. Foto: Mischke

Für alle eure Fragen rund um SARS-CoV-2, außer einer medizinischen Beratung, haben die Stadt und der Landkreis Göttingen ein Bürgertelefon eingerichtet. Ihr könnt die Mitarbeiter täglich, auch an den Wochenenden, von 8 bis 13 Uhr und von 15 bis 18 Uhr unter der Rufnummer 0551/7075100 erreichen. Alle aktuellen Informationen zum Corona-Virus erhaltet ihr im gemeinsamen Live-Ticker auf den Homepages der Stadt Göttingen und des Landkreises.

Die Netzwerke werden wieder sozial

Kontaktbeschränkung: Das öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen. Foto: Christoph Mischke

Neben den offiziellen Unterstützungen gehen in den sozialen Netzwerken aber auch phantastische Eigeninitiativen, Solidaritätsaktionen und kreative Hilfsmaßnahmen viral. Ich bin positiv überrascht, wie sich Facebook und Co. nach monatelangen Hatespeech-Attacken endlich wieder zu dem zu entwickeln zu scheinen, für das sie ursprünglich gedacht waren. In diesen Krisenzeiten sind sie zunehmend ein Ort, an dem hilfreiche Ideen geboren werden. Hier einige davon:

Zusammenhalt im Kiez

Solidarität mit den Händlern: Die Firma Zufall hilft mit Fahrzeugen und Logistik. Foto: Zufall

Das Fruchthaus Schwieger in der Theaterstraße beispielsweise, hatte gleich zu Beginn der Geschäftsschließungen eine pragmatische  Solidaraktion im Kiez gestartet. Fix haben die Betreiber einen Lieferservice auf die Beine gestellt, aber, jetzt kommt das Tolle, nicht nur für ihr leckeres Obst und Gemüse, sondern auch für die Produkte ihrer Nachbarn. Deren Läden mussten nämlich ebenfalls schließen. Sie dürfen zwar noch telefonisch beraten, aber verfügen nicht über eine Lieferlogistik. Schaut euch mal an, wie das funktioniert. Apropos Logistik: Die Firma Zufall unterstützt ab Montag, 30. März, bis vorerst 9. April den lokalen Handel. Die geschlossenen Geschäfte können ihre Kunden dann mit Hilfe von Zufall unkompliziert beliefern. Hier steht, wie es funktioniert.

Existenzen bedroht

Inzwischen gibt es mehrere Portale, wo sich Einzelhändler, Freiberufler und Kleinunternehmer, die Geschäfte, Restaurants, Cafés und andere Unternehmen in der Region betreiben, mit ihren derzeitigen Dienstleistungen eintragen können. Das ist für diese, in ihrer Existenz unmittelbar bedrohten, Firmen extrem wichtig. So entsteht ein möglichst vollständiges Bild dessen, was noch möglich ist. Ihr habt den unschätzbaren Vorteil, dass ihr diese Informationen gebündelt erhaltet und sie euch nicht mühsam selbst zusammensuchen müsst. Macht regen Gebrauch von diesen Angeboten, damit wir alle auch nach Corona noch eine lebenswerte City mit vielfältigen lokalen Geschäften vorfinden.

Kostenfreie Solidaritätsplattformen

Pro-City, die Interessenvertretung der Göttinger Innenstadthändler, hat eine eigene Homepage eingerichtet. In der aktuellen Zeit bieten viele Händler, die ihre City-Geschäfte schließen mussten, weiterhin einen Lieferdienst oder einen eigenen Online-Shop an. Fast alle sind weiter telefonisch oder per Mail für die Kunden erreichbar und auch die Abholung von bestellten Waren ist gestattet. Auf “Einkaufen in Göttingen” findet ihr eine tagesaktuelle Auflistung der Göttinger Fachgeschäfte, die gerne mit Service und individueller Beratung bei euren Einkäufen zur Verfügung stehen, denn: Göttingen hat für euch geöffnet. Auch das Pro-City Büro ist weiterhin besetzt und für euch erreichbar. Parkmarken können dort nach Bestellung abgeholt werden.

Das Göttinger Tageblatt und das Eichsfelder Tageblatt haben auf einer eigenen kostenfreien Online-Präsenz unter dem Titel „Die Region hält zusammen“ zahlreiche Adressen und Hilfsangebote für Händler und Verbraucher übersichtlich zusammengefasst. Eine ähnliche Plattform für Göttingen, Südniedersachsen und Nordhessen bietet „Regional kann das“, die von der Göttinger Werbeagentur Blaue Quelle entwickelt, programmiert und kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Geschäftsführer Michael Thenner sagt: „Macht mit – als lokaler Unternehmer – und nutzt als Verbraucher die Angebote – damit unsere Region unsere Region bleibt.“ Auch unter „Göttingen bringt’s“ findet ihr Restaurants und Dienstleister, die euch ein langes Suchen in den Tiefen des Netzes ersparen – natürlich kostenlos.

Gutscheine statt Onlineversandhandel

Telefonisch bestellbar: Die beliebten ProCity-Geschenk-Gutscheine. Foto: Göttingen Tourismus

Der eine oder andere sucht in diesen Tagen sicher noch nach einem Geschenk zu Ostern oder zu anderen Gelegenheiten. Für mein Verständnis verbietet sich in dieser Situation der Einkauf über die großen Onlineversandhändler. Wir sollten zusammenhalten und unsere lokalen Unternehmen, soweit es jedem möglich ist, unterstützen. Das ist gelebte Solidarität für die Stadt, in der man lebt und die man liebt. Obwohl die Tourist-Information am Alten Rathaus momentan für den Publikumsverkehr geschlossen ist, bietet sie die Möglichkeit, die beliebten Göttinger Geschenk-Gutscheine von ProCity zu bestellen. Auf diese Weise könnt ihr eure Lieben trotz der aktuell geschlossenen Einzelhandelsgeschäfte beschenken.

Gabenzäune helfen Bedürftigen

Bedürftige nicht vergessen: Gabenzäune am Groner Tor und am Waageplatz. Foto: privat via Facebook

Bei aller Sorge um die eigene oder die Zukunft eurer Liebsten, vergesst bitte auch diejenigen nicht, die schon vor der Krise am Rand der Gesellschaft standen: die Armen und die Obdachlosen. Wie sollen sie denn über die sonst schon dürftigsten Runden kommen? Es sind ja kaum noch Menschen in der Stadt, die ihnen etwas in den Hut werfen könnten. Auch die Einnahmequelle Flaschenpfand ist nahezu vollständig versiegt. Am Groner Tor, an der Marienkirche, und am Waageplatz stehen sogenannte Gabenzäune. Wenn ihr könnt, hängt den Bedürftigen doch ab und an Lebensmittel, Hygieneartikel, Hundefutter oder Kleidung in einer regendichten Tüte an den Zaun. Wenn ihr ihnen begegnet, könnt ihr sie natürlich gerne selbst fragen, was sie dringend benötigen.

Ich bin sicher, wenn wir auf solidarische Art und Weise, jeder so gut und so viel er kann, im übertragenen Sinn zusammenstehen, dann schaffen wir es, unsere regionale Wirtschaft am Leben zu erhalten. Und, mal ehrlich, das wollen wir doch alle.

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