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Das Göttinger Wappen

2. September 2021
Spaß mit Wappen: Wir schauen uns heute das Hoheitszeichen von Göttingen ganz genau an und erklären, warum der Löwe am Alten Rathaus in die falsche Richtung geht - und das seit fast 226 Jahren. Kommt mit in die Welt der Welfen und Heraldiker!

Was ist ein Wappen?

Das Wort Wappen stammt aus dem Mittelniederländischen. „Wâpen“ war ursprünglich bedeutungsgleich mit dem mittelhochdeutschen Begriff „Wâfen“, was Waffe oder Rüstung bedeutete. Wappen stehen als Hoheitszeichen für einen Staat, ein Land oder eine Stadt. Symbolisch kann es auch die Bedeutung einer Familie oder einer Person repräsentieren. Auch in der Kirche, beim Militär oder beispielsweise bei Sportvereinen sind Wappen geläufig. Selbstverständlich besitzt auch die Stadt Göttingen ein eigenes Wappen, das ihr sicher schon hier und da gesehen habt. Vielleicht auf einer offiziellen Urkunde, bei der Beflaggung am Alten und Neuen Rathaus oder als Abzeichen auf der Uniform der Berufsfeuerwehr. Doch nicht immer im Leben geht alles glatt, so auch bei diesen Göttinger Insignien. Aber lest selbst. 

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Ursprung: Das älteste erhaltene Siegel der Stadt diente als Vorlag für das heuteige Wappen.

Foto: Universität Göttingen

Siegel aus dem Jahr 1278

Das Wappen von Göttingen geht zurück auf das älteste, erhaltene Siegel der Stadt aus dem Jahr 1278. Es zeigt unten einen nach rechts, schreitenden, gelben Löwen in einem rotem Feld. Der Löwe ist das Wappenbild der welfischen Herzöge und weist darauf hin, dass Göttingen zum welfischen Territorium, dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, gehörte.

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Nach rechts oder nach links?

So weit, so gut und richtig. Dr. Gudrun Keindorf, Göttinger Gästeführerin, kann allerdings, was die Wappengestaltung angeht, mit einer hübschen kleinen Anekdote aufwarten.

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Richtig: Das Wappen an der Nordseite des Alten Rathauses ist korrekt.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke

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Löwe falsch herum: Hier machten die Bildhauer wohl einen Denkfehler. Foto: Keindorf
Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Keindorf

Und dabei geht es um den Löwen. „Heraldiker, so nennt man die Spezialisten für Wappenkunde, sehen in ihm einen Bezug zum Sachsenherzog Heinrich dem Löwen“, berichtet sie. „Um zu verstehen, wohin der Löwe läuft“, sagt die Stadtexpertin, „muss man aus der Sicht des Löwen denken.“

Offensichtlich war das den Bildhauer-Brüdern Heydt aus Kassel nicht klar, denn sie gestalteten aus Sicht des Betrachters. „Als sie 1795 die Löwen mit den Wappenschilden für das Groner Tor schufen, lief der Wappenlöwe darauf in die falsche Richtung, also nach links.“

1870 wurde das Groner Tor abgerissen und seitdem stehen die Löwen an den beiden Aufgängen zum Alten Rathaus.

Hinter den Kulissen
Das Initialwappen der Stadt auf einem Feuerwehrwagen.
Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke

Gekröntes “G”

Das Wappenschild mit dem gekrönten „G“ des Löwen an der Nordseite ist hingegen richtig. Auch hier hätte es zu Verwechslungen kommen können, denn auch die Stadt Goslar verwendete in ihrem Initialwappen ein ganz ähnliches Symbol.

„Es wurde zum Beispiel benutzt, um Münzen zu prägen“, erklärt Gudrun Keindorf“, die mittelalterlichen Geldwechsler mussten also gut über die Details Bescheid wissen.

Das gekrönte „G“ findet ihr heute beispielsweise auf den Fahrzeugen der Berufsfeuerwehr und der freiwilligen Wehren der Ortsteile.

Achtet doch mal darauf. Ganz prominent ist es auch am schmiedeeisernen Balkon in der Halle des Alten Rathauses zu sehen.

 

Das Göttinger Wappen entdecken

Brauereistein gerettet

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an die ganz besondere Rettung eines Göttinger Wappens im Jahr 2007. Damals wurden die Gebäude der ehemaligen Göttinger Brauerei im Brauweg abgerissen, um Platz für ein Wohngebiet zu schaffen.

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Gerettet: Restauriert schmückt der Brauerereistein heute eine eigene Nische im “Bullerjahn”.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke

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1,2 Tonnen schwer: Der Brauereistein ist 2007 noch hoch oben im Turm eingemauert.
Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Keindorf

Im Turm des Gebäudekomplexes war seit der Erbauung im Jahr 1889 ein dreigeteilter Brauereistein eingelassen. 1,70 Meter breit, 1,60 Meter hoch und knapp 1,2 Tonnen schwer, zeigte er das von Ähren und Hopfen umrankte Göttinger Stadtwappen.

Im Auftrag von Olaf Feuerstein, Pächter des Restaurants „Bullerjahn“ im Ratskeller, wurde der Stein von Steinmetzmeister Christoph Wolf seinerzeit aufwendig restauriert.

Zur Restaurant-Eröffnung im November 2010 fand er einen Ehrenplatz in einer eigenen Nische neben dem Eingang. Ich finde, hier gehört er hin und für mich ist das der beste Tisch im „Bullerjahn“.

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