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Unterwegs in Göttingen: die Burgstraße

5. Juli 2021
„Göttingen ist so schön überschaubar, da kann ich in der City alles zu Fuß erledigen.“ So oder ähnlich lautet die Antwort, wenn man die Göttinger*innen und auch die Gäste der Stadt befragt, warum sie sich hier so wohlfühlen. Ja, und es stimmt, die schönsten Ecken der Stadt lassen sich bequem auf entspannten Spaziergängen entdecken, samt […]

„Göttingen ist so schön überschaubar, da kann ich in der City alles zu Fuß erledigen.“ So oder ähnlich lautet die Antwort, wenn man die Göttinger*innen und auch die Gäste der Stadt befragt, warum sie sich hier so wohlfühlen. Ja, und es stimmt, die schönsten Ecken der Stadt lassen sich bequem auf entspannten Spaziergängen entdecken, samt ihrer vielfältigen Mischung aus Kunst, Architektur, Gastronomie und Shopping. Heute nehmen wir euch mit auf einen Bummel durch die Burgstraße.

Von der Randlage ins Zentrum

Unter Denkmalschutz: Fachwerk an der Ecke zur Rote Straße.

Im Mittelalter markierte die Burgstraße den östlichen Abschluss des städtischen Wohngebietes. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde diese städtische Randlage überwiegend von Handwerkern bewohnt, die den Gilden und Innungen angehörten. Der angesehenen Kaufmannsgilde folgten in sozial absteigender Linie die Schuhmacher, Bäcker, Wollenweber, Leineweber, Schneider und Schmiede. Der Rest der handwerklich tätigen Bürgerschaft bildete indes die sogenannte „Meinheit“, wie seinerzeit die eher gering angesehenen Handwerksberufe tituliert wurden.

Ruhepol im quirligen Stadtzentrum: die Burgstraße.

Heute liegt die Burgstraße, die sich von der Roten Straße bis zum Ritterplan zieht, mitten im quirligen Stadtzentrum und ist zugleich ein beschaulicher Ruhepol. Wer beim Shoppen Individualität und Kreativität bevorzugt, ist in den zahlreichen inhabergeführten Geschäften und Dienstleistungsunternehmen genau an der richtigen Adresse: vom Einrichtungsspezialisten bis zur Goldschmiede, vom Reisebüro bis zu Modedesign made in Göttingen, von Kosmetik-Expertinnen bis zum Herren-Ausstatter.

Fröhliches Treiben auf dem “Willi”

Stets farbenfroh: Blumenrabatten auf dem Wilhelmsplatz.

Er stiftete der Uni ihr Aulagebäude: das imposante Standbild zu Ehren Wilhelms IV.

Auf dem Wilhelmsplatz tobt traditionell das Leben, vor allem das studentische. Solange ich denken kann, und definitiv noch viel länger, haben die Studierenden der Georg-August-Universität den Raum vor ihrer ehrwürdigen Aula für sich eingenommen. Setzt euch einfach auf eine der vielen Bänke rund um die farbenfroh bepflanzten Blumenrabatten und schaut dem fröhlichen Treiben unter dem strengen Blick von Wilhelm IV., König von Großbritannien und Hannover, zu. Wer mehr über „Guilielmus Quartus Rex“ und diesen geschichtsträchtigen Ort erfahren möchte, sollte sich einer Stadtführung anschließen, dann ist sogar ein Besuch der Aula und des Aula-Gartens möglich.

Empanadas im Café Inti

Vielfältige Gastronomie in der Burgstraße: bolivianische Snacks gibts im „Inti“.

Das kinderfreundliche „Café Inti“ am östlichen Rand des Platzes stellt auch einen hervorragenden Beobachtungsposten dar. Die farbenfroh dekorierte Café-Bar bietet dazu bolivianische Snacks wie Empanadas, hausgemachte Torten und fair gehandelte Kaffeespezialitäten an. So könnt ihr gestärkt losbummeln. Bei dieser Gelegenheit könnt ihr ja schon mal einen Blick durch den Zaun in einen Teil des Aulagartens werfen. Vor allem zur Rosenblüte im Hochsommer und frühen Herbst ist das ein prächtiger Anblick.

Stadtführung: Besuch im Aula-Garten der Universität.

Wer durch die Burgstraße schlendert, erkennt im Handumdrehen, was ihren Charme ausmacht. Ob es das hübsch drapierte Obst und Gemüse in den Stiegen des Bio-Ladens ist oder die farbenfroh bepflanzten Gefäße vor den Schaufenstern – und das nicht nur vor der Blumenbinderei „Tommy Tulpe“. Die Liebe der Geschäftsinhaber zum Detail ist allgegenwärtig. Selbst ein trist grauer Elektroschaltkasten wird kurzerhand mit einem bestickten Tuch und einigen Blühpflanzen zum Hingucker geadelt. Seit fast 4 Jahrzehnten existiert Laura, der Frauen- und Kinderbuchladen hier in der Burgstraße. Er bietet ein vielseitiges Buchsortiment mit Akzentuierung auf Literatur von Frauen, Literatur für Frauen, Kinderbücher, Jugendbücher und , wie seit den Anfangstagen, Literatur von und für Lesben an. Kriminalliteratur ist ein weiterer Schwerpunkt. Kein Wunder, ist sie doch die Leidenschaft der Laura-Leitung.

Tonnengewölbe als Ausstellungsraum

Früher Speisekammer, heute Ausstellungsraum: ein historisches Tonnengewölbe.

Im Schaufenster von Dieckmann-Einrichtungen könnt ihr durch einen verglasten alten Kohlenschacht in einen Keller blicken. Nicht in irgendeinen Keller, sondern in ein historisches Tonnengewölbe, das Teil der Ausstellungsfläche ist. Falls ihr euch dieses massiv gemauerte Relikt einmal anschauen möchtet, fragt einfach Inhaber Peter Tönnies danach. Er ist stolz auf diese nicht alltäglichen Geschäftsräume und freut sich über euer Interesse. Ihr könnt sogar noch die originalen Eisenhaken anschauen, die in der Decke verankert sind. Daran wurden früher Wurst und Schinken aufgehängt, um sie vor Ungeziefer zu schützen.

Liebe zum Detail: Blumenschmuck ist in der Burgstraße allgegenwärtig.

Trou – lange Tradition mit niedriger Deckenhöhe

Urig: die Fasstische im Gewölbekeller des „Trou“.

Direkt gegenüber liegt das „Trou“, Göttingens urigste Kellerkneipe mit langer Tradition und niedriger Deckenhöhe. Hier soll sich schon mancher Mann beim Pinkeln den Kopf gestoßen haben, heißt es. Wenn ihr am Abend unterwegs seid, gönnt euch unbedingt eine erfrischende Altbier-Bowle, serviert auf dem Fass-Tisch und bei Kerzenschein. Auch das „Apex“ ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Göttinger Kulturlandschaft – beliebt für Theater und Kleinkunst, regionale und internationale Live-Musik sowie bissiges Polit-Kabarett. In diesem Jahr können die Macher ihr 50-jähriges Bestehen feiern. Um das leibliche Wohl der Gäste kümmert sich niemand Geringeres als Spitzenköchin Jacqueline Amirfallah, vielen bekannt aus der Fernsehsendung ARD Buffet.

Freiluft-Shopping: Stöbern, schauen und entdecken.

Ebenso kreativ geht Friederike Lohrengel zu Werk. Die Göttinger Modedesignerin hat Mut zu außergewöhnlichen Farben und Mustern. Losgelöst vom industriellen Modezyklus möchte sie Emotionen wecken und Menschen begeistern. Ihren Ausdruck moderner Weiblichkeit setzt sie durch ausgewählte Stoffe in puristischen Schnitten um.

Nautibar und Café Shiraz

Gaststätte und Hausbrauerei: die „Nautibar“.

Mal sehen, ob ihr es ohne Snack-Stopp am „Café Shiraz“ vorbei schafft. Das ist insofern sehr unwahrscheinlich, als die persischen Köstlichkeiten wie frische Fladenbrote, Suppen und andere Spezialitäten einfach zu lecker sind. Wenn euch der Sinn nach einem lokal gebrauten Craft-Bier steht, solltet ihr der „Nautibar“ an der Ecke zur Theaterstraße einen Besuch abstatten. Ihr könnt dann entweder direkt neben dem Braukessel oder aber auch draußen auf den zahlreichen Biergarnituren sitzen. Hier ist abends immer Stimmung und außerdem findet ihr hier Göttingens mit Abstand originellste Theke, finde ich jedenfalls.

Erker, Stuck und Design-Mythen im Fifty Five

Stuck und Schmiedeeisen: die Burgstraße bietet zahllose Motive.

Ein Füllhorn für Sammler: Design und Kunsthandwerk im „Fifty Five“.

Auf der anderen Straßenseite rechtfertigt das altrosafarbene Gebäude, das die „Apotheke am Theater“ beherbergt, mehr als nur einen Blick. Seine Erker, Metall- und Stuckverzierungen sind beliebte Motive der Fotografen. Einige Meter weiter schlägt sicher das Herz aller Sammler und Entdecker bis zum Hals. Frank Schrödters Modernitätenhandel „Fifty Five“ ist ein herrliches Sammelsurium von Kunsthandwerk und Design des 20. Jahrhunderts. Ob Kunst- oder Einrichtungsgegenstände, Gebrauchsdesign oder Unikate: „Eine Welt der Design-Mythen und Design-Blüten“, wie der Inhaber es nennt.

Von Geigen und Galerien

Reparatur von Streichinstrumenten: Dagmar Loepthien in ihrem Göttinger Geigenladen.

Bunte Mixtur: So vielfältig wie das Angebot, ist auch die Architektur in der Burgstraße.

Vis-à-vis kümmert sich Dagmar Loepthien in ihrem Göttinger Geigenladen um die Reparatur und die Klangeinrichtung von Streichinstrumenten – von der Geige bis zum Kontrabass. Auf ihre Fertigkeiten und Expertise setzen nicht nur Freizeit-Streicher, sondern auch die Musiker des Göttinger Symphonie Orchesters. Wer jetzt noch Energie hat, sich der bildenden Kunst zu widmen, findet am Ende der Burgstraße zwei Galerien, deren Besuch sich uneingeschränkt lohnt. Bei „Art Supplement“ zeigen Jan-Jacek Sobecki und Miriam Hilker seit neun Jahren ein vielfältiges Programm. Regionale und überregionale Künstler, Studenten, Dozenten und Professoren von Kunstakademien und Universitäten stellen hier aus. Auch die Zusammenarbeit und der Austausch mit Künstler*innen aus Göttingens polnischer Partnerstadt Torun stehen hier immer wieder im Fokus.

Alte Feuerwache: Kunst, Theater, Konzerte

Rätselhaft: Ein Wagen, ein Boot, ein Vogel? Man weiß es nicht.

Nicht zu übersehen ist gegenüber der ehemalige Schlauchturm der Alten Feuerwache. In den Räumen der früheren Brandbekämpfer, die auch schon als Polizeistation und als Domizil der Stadtarchäologie dienten, stellt heute Gisela Hyllus eigene und fremde Werke aus. Neben den Kunstausstellungen werden hier seit vielen Jahren und mit großem Erfolg auch Theateraufführungen, Lesungen und Konzerte veranstaltet. Na, jetzt noch Lust auf ein wenig Göttinger Geschichte? Nur zu, ihr steht ja quasi direkt vor dem Städtischen Museum und wo ihr schon einmal hier seid. Viel Spaß.

Falls keine weiteren Hinweise angegeben sind, gilt folgender Fotohinweis: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke.

Das habt ihr über die Burgstraße noch nicht gewusst

Christoph Mischke

Ich bin in "Chöttingen cheboren", so wie es wohl Schorse Szültenbürger in seinen vergnügten Geschichten in Göttinger Mundart geschrieben hätte. Ich hatte immer das Glück in meiner Heimatstadt leben und arbeiten zu können und halte es mit dem Historiker August Ludwig von Schlözer, der sagte: "Extra Gottingam non est vita, si est vita non est ita." (Außerhalb Göttingens kann man nicht leben, wenn aber doch, dann nicht so gut).
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