Kirchenkino Melies
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Programmkino: „Film ab“ im Méliès in Göttingen

19. Mai 2022
Wart ihr schon einmal in einer Kirche, um einen Kinofilm zu schauen? In Göttingen könnt ihr in der ehemaligen Baptistenkirche an der Bürgerstraße nicht nur ein ausgesuchtes Arthouse-Filmprogramm erleben. Alleine das voll restaurierte Gebäude lohnt einen Besuch.
„Es ist ein Traum geworden“, sagte Göttingens ehemaliger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler seinerzeit am Eröffnungsabend, „das Kino in der ehemaligen Baptistenkirche ist unendlich schön.“ Recht hat er. Dabei war es von der ersten Idee bis zum fertigen Filmtheater eine lange Reise. Länger als „Die Reise zum Mond“, dem wohl bekanntesten Werk von Filmpionier Georges Méliès, der dem Kino seinen Namen verleiht.

Göttingens jüngstes Programmkino

Als die Bilder laufen lernten

Wer den schweren weinroten Vorhang neben dem alten 35-Millimeter-Projektor am Eingang zum Kinosaal beiseiteschiebt, fühlt sich direkt zurückversetzt in die Zeit als die Bilder laufen lernten. So ungefähr muss es ausgesehen haben, als Filmpioniere wie Georges Méliès oder seine Zeitgenossen, die Brüder Lumière, das Publikum zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit ihren Cinématographen begeisterten.

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In der Dämmerung: Altbau mit Anbau.
Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke
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Früher Orgel, heute Sitzreihen: die Rangplätze in der Kirchenkuppel.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke
Die ersten Kinos entstanden aus Theater- oder Varietébetrieben und besaßen damals auch einen Rang, sprich: eine Empore mit weiteren Sitzplätzen. So ist es auch in Göttingens jüngstem Programmkino. Dort, wo ehemals die Kirchenorgel ihren Platz hatte, können jetzt Kinobesucher*innen selbigen einnehmen.

Originale Kirchenkuppel

106 Kinosessel laden die Gäste zum Filmgenuss ein und ihr leuchtendes Rot findet sich an der hölzernen Decke wieder. Es ist übrigens die originale Kirchenkuppel des Gotteshauses, das im August 1906 eröffnet wurde. „Die hat ein Handwerker in mühevoller Arbeit abgeschliffen, bevor sie danach neu lackiert wurde“, berichtet Telke Reeck, die Geschäftsführerin der Film- und Kinoinitiative Göttingen e.V. (FKI), die das Méliès betreibt.

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Wie im Theater: gute Aussicht vom Rang.

Foto: Göttingen Tourismus & Marketing / Mischke
Genauso wurde mit der gesamten Innenarchitektur verfahren. Die tragende innenliegende Fachwerkkonstruktion mit ihren Balken und Bögen wurde ebenfalls mit großem Zeitaufwand und viel handwerklichem Geschick restauriert. Sie kontrastiert die Rottöne in einem hellen Grau. 

 

 

Soundanlage in Dolby 7.1

Nostalgisches Gefühl

Nicht nur Kinoenthusiasten wird spätestens hier angenehmes nostalgisches Gefühl beschleichen. Wunderschön, so viel Liebe zum Detail. Was der Gast nicht sieht, aber defintiv hört, ist die brandneue Soundanlage. In Verbindung mit den gedämmten Wänden sorgt sie für den gewünschten trockenen Kinoklang in Dolby 7.1. 

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Tradition trifft Moderne: neuste Technik im Méliès.
Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke
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Mit Lift: der barrierefreie Eingangsbereich.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Umbau hat zwei Jahre gedauert

Zwei Jahre hat der Umbau des durch jahrzehntelange Nichtnutzung arg verfallenen Gebäudes gedauert. Wasser war über die Jahre eingedrungen, Außenwände waren verschmiert, Türen verrottet und Fensterscheiben waren eingeworfen worden. Ich erinnere mich gut, an das Jammerbild, das der Kirchenbau schon im Vorbeifahren abgab.

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Lichtdurchflutet: der angebaute Eingangsbereich.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke
Im Zuge der Renovierung wurden alte Geschossdecken entfernt und neue Betondecken gegossen. Neue Mauern wurden hochgezogen und in der Rückwand des Gebäudes entstanden Durchbrüche für das neue Kino-Bistro. Das Gebäude wurde um rund vier Meter verlängert, um Raum für das Café, die Küche und den Kassenbereich zu schaffen. 

Highlight ist das Türmchen

Komplette Dachsanierung

Neben dem ehemaligen Gotteshaus wurde ein Anbau für den ansprechenden Eingangsbereich errichtet, in dem sich jetzt die ehemalige Außenmauer befindet. Das schafft, besonders nachts, reizvolle Ein- und Ausblicke für die Besucher. Ein Highlight ist das Türmchen der Kirche.

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Filmpionier und Namensgeber: Georges Méliès.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke
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Reizvolle Ansicht: das Méliès zur blauen Stunde.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke
Im Zuge der kompletten Dachsanierung wurde die baufällige alte Kirchenspitze abgebrochen und mit großem Geschick ein völlig neuer Turm errichtet. Silbern glänzend thront er, weithin sichtbar, über dem Kirchenkino und setzt dem Méliès im wahrsten Sinn des Worts die Krone auf. Dank des unermüdlichen Einsatzes des Vereins der Göttinger Filmkunstfreunde, der Verantwortlichen der Stadtverwaltung sowie des Investors, verfügt die Stadt nun über ein Filmtheater, das seinesgleichen sucht.

 

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Wissenwertes im Foyer: Infotafeln und Filmplakate.

Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

Klassisches Arthouse-Kino

„Wir sind Kinomacher aus Passion, wir brauchen das und ohne Kultur geht es einfach nicht“, kommentiert Telke rückblickend die schwierige Corona-Zeit. Während das Lumière, das zweite von der FKI betriebene Programmkino in Göttingen, etwas experimenteller aufgestellt ist und ein vorwiegend jüngeres Publikum ansprechen will, widmet sich das Méliès ganz dem klassischen Arthouse-Kino. „Da ergänzen sich die beiden Filmtheater hervorragend“, sagt Telke.

 

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Für Kooperationen offen: Geschäftsführerin Telke Reeck.
Foto: Göttingen Tourismus und Marketing / Mischke

„Wir sind für alles offen“

Spannende Kooperationen

Mit den benachbarten Kultureinrichtungen des Jungen Theaters und des KAZ hat Telke schon wunderbare Einfälle für zukünftige gemeinsame Projekte in petto. „Da dürfen die Göttinger durchaus gespannt sein“, verspricht sie. Auch mit dem Entwicklungspolitischen Informationszentrum (EPIZ), dem Museum Friedland oder dem Institut für Kulturanthropologie bestehen Kooperationen. Unter dem Motto „Mehr als Kino“ gibt es auch viele Ideen für mögliche Zusammenarbeit mit dem Göttinger Symphonie Orchester, dem Literarischen Zentrum oder der Göttinger Händelgesellschaft. „Wir sind neugierig und für alles offen“, sagt Telke.

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